Contents : Bismarck und das päpstliche Rom.

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horsams  überbieten  wollten.  Wie  der  gesamte  Orden  sich  dem
Papste  direkt  als  seinem  Oberfeldherrn  zur  Verfügung  stellt,
führt  Ranke  aus,  so  hat  der  Vorsteher  oder  General  des  Ordens
in  allen  Dingen,  mit  Ausnahme  der  Konstitution  des
Ordens,  allein  zu  befehlen,  ‚in  ihm  soll  Christus  als  gegenwärtig
  verehrt  werden“.  Und  dieser  Gehorsam  wäre  kein  „unbedingter‘‘
  ?

Daß  die  Ordensregel  der  Jesuiten  den  ‚,‚Kadaver‘‘-Gehorsam
fordert,  konnte  übrigens  Reichensperger  selbst  nicht  leugnen,  das
sei  buchstäblich  war.  Damit  aber  werde  nichts  gefordert,  als
was  in  der  Bibel  zwar  nicht  anbefohlen  werde,  aber  doch  als  ein
„evangelischer‘‘  Rat  zu  achten  sei.  Hierfür  verwies  er  auf  Kolosser
  3,  3,  wo  in  der  Vulgata  ‚sicut  cadaver‘‘  zu  lesen  stehe.

Die  Berufung  eines  Romgläubigen  auf  die  Bibel,  die  er,
falls  ein  Laie,  nicht  einmal  selbst  lesen  soll,  und  nur  in  Gemäßheit
der  Autorität  seiner  Kirche  interpretieren  darf,  ist  immer  mißlich.
Die  von  Reichensperger  angezogene  Epistel  Pauli  verlangt  zwar
die  Ertötung  aller  bösen  Lüste,  ein  Leben,  so  rein,  wie  es  einem
in  Christo  Auferstandenen  geziemt,  allein  nur,  damit  der  Friede
Gottes  in  den  Herzen  regiere  und  Liebe  obwalte,  vor  allem  im
Umgarge  der  Familienangehörigen  untereinander.  Von  irgend
welcher  Unterordnung  unter  einen  Oberen  ist  keine  Rede.  Im
Gegenteil.  Nichts  wird  so  nachdrücklich  betont,  als  daß  kein
Ansehen  der  Person  gilt.  Ein  größerer  Gegensatz  als  der  zwischen
dem  ‚„Kadavergehorsam‘‘,  wie  ihn  der  Jesuitenorden  von  seinen
Mitgliedern  fordert,  und  der  christlichen  ‚Freiheit‘‘,  wie  sie  in
den  Briefen  Pauli  so  gewaltig  gepredigt  und  verkündigt  wird,
ist  nicht  erdenkbar.

Zwischen  diesem  ‚„Kadavergehorsam‘‘  der  Jünger  Loyolas
und  dem  in  den  andern  Orden  vorgesehenen  Gehorsam  gegen
den  Oberen  und  Beichtvater  besteht  nur  ein  Gradunterschied.
Der  Jesuit  kann  sich  überdies  ungleich  freier  in  der  Welt  bewegen,
als  der  an  ein  bestimmtes  Kloster  gebundene,  hinter  Mauern
lebende  Mönch  in  der  Kutte.  Eben  dadurch  ist  der  Radius  der
Wirksamkeit  des  Jesuiten  ein  so  unbegrenzter.

Wenn  in  den  Motiven  zum  Gesetzentwurf  auf  die  ‚‚geistestötende‘“‘
  Wirkung  übermäßiger  religiöser  Übungen  hingewiesen
wurde,  so  wollte  Reichensperger  dagegen  geltend  machen,  daß  die
„wissenschaftlichen  Leistungen‘'  der  Klöster  diese  Jahrhunderte

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