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Selbst aber wenn das durch die Presse Verbreitete Gift waͤre,
so sind doch auch in diesem Falle die Wirkungen nicht leicht
sicher voraus zu berechnen. Der politische Koͤrper sid ßt oft ein
solches Gift geradezu von sich, ohne daß es schadet;
die Calumnie findet keinen Glauben; die Wahrheit siegt
oft selbst ohne Kampf. Oder auch der politische Koͤrper accomodirt
sich gleichsam der neuen Nahrung; die Empfindungen
der Menschen gewöhnen sich an dieß und jenes, und
das bei der früheren Empfindungsweise allrrdings Schädliche
hort bei der veränderten auf es zu seyn. Ein Beispiel von
dem zuerst Angeführten kann das Recensions-Wesen geben.
Wer hätte nicht bei den Klotzischen Recensionen denken follen,
daß Wieland, Göthe u. s. w. in den Augen des Publikums
auf immer gebrandmarkt wären? jetzt sind sie von
eben diesem Publikum als die ersten Schriftsteller anerkannt.
So hätte man, besonders wenn das Ohr durch den süßlichen
Lobrednerton und die geschmacklosen Formen von Devotion
der unmittelbar vorhergegangenen Jeit verwöhnt war,
glauben sollen, ein publicistischer Freimuth, wie er z. B.
in den Schriften eines Moser zu finden ist, müßte alle
Throne umstürzen. — Allein man gewöhnte sich bald an die
Derbheit der Sprache; was sonst im höchsien Grade ansidßpig
gewesen wäre, erschien nun nur noch höchstens bizarr;
die befürchteten Wirkungen auf das Ansehen der Regierungen
blieben aus, der Unterthau gehorchte wie zuvor, und
Minister und Räthe nahmen sich, trotz der rauhen Form,
die gute Lehre zu Herzen. Hiezu kommt nun aber noch ein
eigenthümlicher Nachtheil: es giebt cine Menge Idcen, Visionen,
die der liberalste Censor in diesem und jenem Zeitalter
nicht passiren lassen kann, weil er sie dadurch gleichsam
zu sanktioniren schiene; während der Privatschriftsteller