52 Erstes Buch. Die neue Staatsgründung des Großen Kurfürsten.
hinübergestürmt, um Kopenhagen anzugreifen. So überwältigt
war Friedrich IV. von Dänemark durch diese Kühnheit, daß er
an Kampf gegen die nur noch 5000 Mann starken Schweden
nicht dachte, sondern am 27. Februar 1658 zu Roeskilde einen
Frieden schloß, der Schweden die geforderten territorialen Zugeständnisse
machte und auch die Herrschaft über die Ostsee einräumte.
Denn das bedeutete die vereinbarte Sperrung derselben
gegen alle feindlichen Flotten. War der Angriff, zu dem
man sich in Berlin verbunden hatte, unter solchen Umständen
noch möglich? Der Kurfürst freilich hätte am liebsten sofort
losgeschlagen und wünschte Montecuccoli bereits im März mobil
zu sehen. Davon aber wollten die österreichischen Staatemänner
nichts wissen: mit Rücksicht auf die Kaiserwahl sollte alles vermieden
werden, was als Bruch des Reichsfriedens gedeutet
werden konnte. So wartete man, weiter unterhandelnd, noch
ferner zu. Auch Karl Gustav war die Fortsetzung dieses Trugspiels
genehm: so wenig man sich traute, so sehr man zum
Kampf entschlossen war, jeder Teil wollte doch den Moment
abwarten, mo er den Gegner unvermutet treffen und zu Boden
strecken konnte.
Besonders gefährdet erschien nun der Kurfürst. Er war
Schweden gegenüber zu weit gegangen, um zurück zu können,
und nun hielten ihm seine Verbündeten das Schwert in der
Scheide. Die „Kavalkade“ nach Holstein, zu der er Montecuccoli
aufforderte, mußte unterbleiben. Und inzwischen konnte
von der zentralen Stellung aus, die er in Holstein, Mecklenburg
und Pommern einnahm, Karl Gustav die Drohung mit
neuen Kriegsschrecken, durch die er die Friedenemahnungen
des Kurfürstenkollegs beantwortete, zuerst gegen Brandenburg
verwirklichen: der abgefallene Alliierte hatte keine Schonung
zu erwarten. Auf alles war man daher in der Mark gefaßt,
als des Kurfürsien Gesandten, Schwerin und Weimann, die
Ende Juni in Flensburg erschienen, der Empfang verletzend
verweigert wurde. Der Kurfürst rüstete zu verzweifelter Gegenwehr.
An der Befestigung Berlins arbeiteten Tag und Nacht
1000 Menschen, kamen aber infolge der Ungunst des sandund
wasserreichen Terrains nur langsam vorwärts. Monte-