Contents : Geschichte der Hohenzollern.

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Der  umsichtige  und  sorgsame  Regent  ordnete  die  finanziellen  Berhältnisse
seines  neuen  Erwerbes,  und  überließ  dasselbe  seinem  ältesten  Sohne  Wenzel.
Als  dieser  aber  nach  seines  Vaters  Tode  (1378)  zum  deutschen  König  erhoben
wurde,  empfing  die  sogenannte  Kurmark,  d.  h.  das  Land  bis  zur  Oder,  der
jüngere,  Siegmund,  das  Gebiet  östlich  von  der  Oder,  die  Neumark,  Karls  jüngster
Sohn,  Johann.  Siegmund,  der  im  Jahre  1387  als  Gemahl  Maria's,  Tochter
Ludwigs  des  Großen,  zum  König  von  Ungarn  gewählt  worden  war,  versetzte,
wie  oben  schon  erzählt,  die  Mark  Brandenburg  an  seine  Vettern,  Jobst  und
Procop  von  Mähren,  von  denen  der  erste  die  Regierung  des  verpfändeten  Landes
übernahm.  Allein  dieser  Fürst,  auch  sonst  nicht  eben  rühmlich  bekannt,  erfüllte
seine  Pflichten  gegen  die  Mark  Brandenburg  keinesweges.  Selten  kam  er  persönlich
  in  das  Land,  und,  wie  es  scheint,  nur  in  der  Absicht,  außerordentliche
Steuern  aufzulegen,  oder  landesherrliche  Rechte  und  Besitzungen  zu  verpfänden
oder  zu  veräußern,  um  durch  diese  Mittel  auf  Kosten  Wenzels  seinen  Einfluß
in  Böhmen  auszudehnen.  Mehreren  Nachbarfürsten  übergab  er  wichtige  Städte
als  Pfand,  sowie  auch  die  Regierung  selbst  während  seiner  Abwesenheit;  ja  was
dem  fürstlichen  Ansehen  noch  mehr  schadete,  er  ließ  fast  sämmtliche  landesherrliche
  Schlösser  in  die  Hände  einiger  mächtigen  adligen  Familien  kommen.  Sogar
ehemals  unmittelbare  Städte  geriethen  unter  ihre  Botmäßigkeit.  Diese  adligen
Familien  (unter  ihnen  ragen  die  Quitzow's  am  meisten  hervor)  bedienten  sich
ihrer  Macht  zum  großen  Nachtheil  des  Landes;  denn  nicht  nur  reizten  sie  durch
ihre  Gewaltthaten  benachbarte  Fürsten  zum  Kriege,  dessen  traurige  Folgen  nicht
sowohl  auf  sie  selbst,  als  auf  die  unglücklichen  Unterthanen  ihres  pflichtvergessenen
Landesherrn  fielen,  sondern  sie  selbst  brannten,  sengten  und  plünderten  im  Lande,
sobald  sie  unter  dem  Vorwande  einer  Fehde  mit  Nachbarn  in  Streit  gerathen
waren.  Die  Städte,  deren  Verkehr  durch  solche  Frevel  gar  sehr  zu  leiden
hatte,  halfen  sich,  so  gut  sie  vermochten,  untereinander;  mitunter  schlossen  sie
auch,  um  ihren  Verkehr  einigermaßen  zu  sichern,  Verträge  mit  den  übermüthigen
  Landesbeschädigern.

Anstatt  diesem  Unwesen  persönlich  entgegenzutreten,  überließ  Jobst  die
Pflicht  des  Landesschutzes,  wie  wir  erwähnt  haben,  benachbarten  Fürsten,  oder
adeligen  Herren  aus  der  Mark,  die  theils  nicht  hinreichende  Mittel  für  eine
solche  Aufgabe  hatten,  theils  selbst  den  so  schwer  angeklagten  Familien  angehörten.
  Von  Jahr  zu  Jahr  waren  die  Unordnungen  größer,  das  Benehmen
der  Quitzow's  und  ihrer  Genossen  anmaßender  geworden.  Zur  Zeit,  als  Jobst
starb,  setzten  sie  ihre  verheerenden  Fehden  mit  den  Herzögen  von  Sachsen  fort,
obgleich  sich  diese  in  einem  Schreiben  an  den  damaligen  Hauptmann  der
Mittelmark,  den  Herzog  Swantibor  von  Pommern,  sowie  an  die  Mannschaft
und  Städte  der  Mark  zu  rechtlichem  Austrag  der  Sache  erboten  hatten.  Allein
die  Quitzow's  fanden  ihre  Rechnung  weit  besser  im  Kriege,  da  fie  eben  durch
ihre  Streifzüge  jene  beträchtlichen  Summen  zusammenbrachten,  für  welche  sie
Burgen  und  Städte,  wie  Friesack.  Saarmund,  Bötzow,  Oranienburg,  Rathenow,