Contents : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

432  Die  wissenschaftliche  Bedeutung  der  Akademie  Frieprıicu's  11.

andere  Akademie  Europas  damals  mit  ihr  messen  konnte  —  nur
den  Rum  Euner’s  muss  sie  mit  der  Petersburger  theilen.

Es  ist  für  Berlin  von  höchster  Bedeutung  geworden,  dass  die
beiden  Franzosen,  die  einen  so  grossen  Einfluss  in  Preussen  ausüben
  sollten,  MAUPERTUS  und  VoLTARE,  die  entschiedensten  Anhänger
  Newron’s  waren.  Jener  hat  als  erster  in  Frankreich  zwischen
1728  und  1732  die  entscheidende  Wendung  zu  Gunsten  des  Engländers
  herbeigeführt,  und  das  ist  sein  bleibendstes  Verdienst.  Als
er  mit  Friepricn  in  Beziehung  trat,  war  er  bereits  der  anerkannte,
siegreiche  Grelelirte  Frankreichs,  der  den  Cartesianismus  überwunden
  hatte.  Neben  ihn  war  VOoLTAIRE  seit  seinem  englischen  Aufenthalt
  unermüdlich  thätig,  Newron  und  Locke  als  die  Führer  der
Weltanschauung  in  Europa  zu  preisen  und  einzubürgern!.  Sobald
MaAurerttis  das  Präsidentenamt  in  Berlin  übernommen  hatte,  setzte
er  auf  deutschem  Boden  den  Kampf  für  Nrwrox  fort  und  gewann
in  EvLEer  einen  Bundesgenossen,  der  ilın  selbst  weit  überstralilte.
So  erhielt  in  der  Akademie  neben  dem  gallo-römischen  Geist.  den
Friepricn  der  Grosse  nährte,  die  neue  englische  Wissenschaft  Bürgerrecht
  —  die  englische.  nicht  nur  die  Lehre  Newrox's;  denn  mit
dieser  hatten  sich  in  der  wissenschaftlichen  Überlieferung  gewisse
Hauptgedanken  Locke's  eng  verknüpft.

Damit  war  aber  ein  Gegensatz  zu  Leissız  in  die  Akademie  getragen,
  die  ihre  Existenz  auf  den  grossen  deutschen  Philosophen  zurückführte.
  In  der  Mechanik  als  strenger  Diseiplin  bestand  zwischen
NewTox  und  Lenz  kein  unüberbrückbarer  Unterschied;  aber  für
diesen  war  die  Mechanik  nur  ein  grosses  Element  der  Weltanschauung.
  Seine  wissenschaftliche  Speculation,  von  der  Phantasie  beflügelt,
  war  weiter  vorgedrungen:  aber  während  sie  die  Monadenlehre
  entwarf  und  die  Theodicee  entwickelte.  hatte  sie  sich  nicht
die  Zeit  genommen,  die  Prineipien  der  Erkenntniss  ausreichend  zu
prüfen.  Sein  Schüler  und  Popularisator  WoLrr  befestigte  dann  nach
dem  Sturz  der  kirchlichen  Weltanschauung  das,  was  übrig  geblieben
war  und  was  Lrissiz  hinzugefügt  hatte,  mit  dogmatistischen  Mitteln.
So  entwickelte  sich  ein  wirklicher  prineipieller  Gegensatz  zwischen
der  Leissiz'schen  Philosophie  in  Worrr  scher  Formgebung  und  der
auf  Empirie  sich  stützenden  Mechanik?”,  Dieser  Gegensatz  aber  war

!  Auch  Arsarorrı  kommt  in  Betracht,  der  den  Newtonianismus  populär  zu
machen  suchte.

?  Die  Stellung  zu  den  religiösen  Fragen  war  aber  dadurch  nicht  so  bestimmt,
dass  etwa  alle  Anhänger  der  empirischen  Mechanik  Skeptiker  in  der  Religion  ge-