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den Gemeinden durch die Bevölkerungsbewegung (von Osten nach
Westen, vom Lande in die Städte) erwächst, und der Armenlast.
Daraus ergibt sich die theoretische Berechtigung, die Armenlast
nicht nur als Pflicht der vorläufigen Fürsorge, sondern endgültig
der Aufenthaltsgemeinde aufzubürden, welche ihr Aequivalent für
die im Einzelfalle gewährte Unterstützung vielleicht nicht in den
wirthschaftlichen Leistungen des Unterstützten findet, aber durch
den freien Zuzug anderer nicht der Unterstützung anheimgefallener
Personen in ihrem wirthschaftlichen Gedeihen gehoben und geför-
dert ist. Die Loslösung der Unterstützungspflicht von
der Heimath dürfte auch bei uns — ebenso wie in England —
nur eine Frage der Zeit sein. Und stimmen die statistischen Mit-
theilungen, welche Münstergere S. 220 Tab. 2 aus Berlin und Dresden
anführt '), auch nur annähernd mit den Erfahrungen an anderen Orten
überein, so ist die procentuale Ziffer der in den ersten beiden
Jahren ihres Aufenthalts unterstützten neu zugezogenen Personen nur
eine geringfügige. Der Uebertragung der endgültigen Unterstützungs-
pflicht bezüglich aller an einem Orte hülfsbedürftig werdenden Per-
sonen (mit Ausnahme vielleicht der professionirten Landstreicher) an
die Aufenthaltsgemeinde ohne Rücksicht auf die Dauer des Aufent-
halts, ständen demnach auch finanziell nicht allzuschwere Bedenken
entgegen, besonders wenn die Armenlast überhaupt durch die weitere
Durchführung der Kranken- und Unfallversicherung, beziehungsweise
deren Ergänzung durch Invaliden-, Wittwen- und Waisenversicherung,
sich verringert, und die Lokalarmenpflege in der oben ange-
deuteten Weise leistungsfähiger gemacht und entlastet wird.
Dass eine wirksame Kontrole der lokalen Armenverwaltung, ver-
bunden mit einer scharfen Ahndung vorsätzlicher oder fahrlässiger
Vernachlässigung der Fürsorgepflicht und mit Ersatzansprüchen,, so-
wohl im Falle ungerechtfertigter Gewährung der Armenunterstützung
als bei Abschiebungen, sowie eine Verschärfung unseres Strafrechts
I) Von 100 zugezogenen unterstützten Personen waren bei Empfang
der ersten Unterstützung aufhältlich:
0—2 Jahr ı 1—3 Jahr
von 100 Männern in Berlin . . .... — | 2.31
von 100 Frauen . . . . . | 112 | 2,22
von 100 Männern in Dresden . | —_ | 4,52
von 100 Frauen . ıi 242 | 205