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v. MANTEUFFEL, der bei Festsetzung der Verfassung mass-
gebendste Staatsmann, bei POSCHINGER, Denkwürdigkeiten I 7:
Was mit des Königs Unterschrift in der Gesetzsammlung stehe
(also nicht jeder Rechtssatz schlechthin), sei Gesetz.
Bald nach Emanation des Allgemeinen Landrechts pflegten die
Gerichte in zweifelhaften Fällen sich beim Justizminister Rat zu
holen, und es genossen Justizministerialreskripte nahezu gesetz-
liches Ansehen°?. Durch Kabinettsordre vom 6. September 1815
wurden die Fälle bestimmt, in welchen der Justizminister Verord-
nungen mit Gesetzeskraft sollte erlassen können. Dazu gehörten
diejenigen nicht, wo die Entscheidung durch Erkenntnis ge-
schieht. Seit der königlichen Verordnung vom 21. Juli 1846
85 34 bis 48, ferner der Notverordnung vom 2. Jan. 1849 8 35
steht fest, dass der Justizminister nur noch solche Beschwerden,
welche die Disziplin, den Geschäftsbetrieb oder Verzögerungen
betreffen, zu erledigen hat.
Hiernach steht fest, dass der Satz, die Gerichte sind nur
dem Gesetze, nicht der Verordnung unterworfen, bereits im ab-
soluten Staate gegolten und dass insoweit Art. 86 preuss. Verf.
die bestandene Rechtslage aufrecht erhalten hat. Nun entsteht
aber folgende Frage: Im absoluten Preussen war für die Gerichte
nur verbindlich, was sich auf das Gesetz, also auf einen könig-
lichen Akt, unmittelbar oder mittelbar zurückführte. Im kon-
stitutionellen Preussen ist verbindlich, soweit die Verfassung ein
Gesetz erfordert, dasjenige allein, was sich auf ein Gesetz, also
einen Akt der drei gesetzgebenden Faktoren, zurückführen bezw.
gründen lässt. Nun giebt es in Preussen noch Gebiete, nament-
lich dort, wo die Verfassung auf ein organisches Gesetz hinweist,
dieses aber noch nicht erlassen ist, auf denen einstweilen und bis
zur gesetzlichen Regelung noch die Krone allein die Bestimmungen
trifit, z. B. das Unterrichtswesen, Gebühren, Telegraphenwesen,
— Dumm
23 KocH a. a. O. S. 121; namentlich Matnıs IX 511.