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Arbeitsgeld voraussetzen, die Arbeitsunfähigen gar nicht berück-
sichtigen, dem Staate eine für ihn unlösbare Aufgabe aufbürden
und schliesslich zu einer öden Gleichmacherei führen würde.
Auch Kommunismus und Anarchismus postulieren ein subjektives
Verteilungssystem; jedoch verhält sich MENGER gegen beide ab-
lehnend. Das System des Anarchismus bezeichnet er als selbst-
thätige Verteilung, wonach jedes Mitglied des Verbandes sich
von den nützlichen Dingen nach Belieben aneignen kann. Die
schon heute bestehende Kategorie der freistehenden Sachen, wie
Luft, Meer, fliessendes Wasser, würde dadurch auf alle verbrauch-
baren und die Benutzung der benutzbaren Sachen ausgedehnt.
Nun hält zwar MENnGeErR gleichfalls eine recht erhebliche Aus-
dehnung dieser Kategorie im volkstümlichen Arbeitsstaat, etwa
auf die ordinärsten Nahrungs-, Heizungs- und Reinigungsmittel,
für sehr wohl möglich; und die Gemeinsanıkeit der Wohnungen
und Mahlzeiten, zu der man zwar nicht von Anfang an und als
wesentlich, aber doch allmählich und als natürliche Folge über-
gehen werde, würde zu einer erheblichen Erweiterung der selbst-
thätigen Güterverteilung führen. Die damit gegebene Oeffent-
lichkeit bilde zugleich eine ermässigende Schranke, was MENGER
durch das Beispiel einer heutigen Table d’höte illustriert, an der
man ja auch nach Belieben zugreifen könne, aber durch die Be-
obachtung der Tischgenossen immerhin in Schranken gehalten
werde! Indessen kann er doch einen Zustand,
„wo jeder so viel konsumieren und so wenig arbeiten dürfte als er will,
für unsere in der Eigentumsordnung aufgewachsenen Volksmassen auf ab-
sehbare Zeit nur für völlig unanwendbar“
erklären, wofür sein oben erwähntes Festhalten an den gegebenen
psychologischen Thatsachen entscheidend sein muss.
Im Gegensatz zum Anarchismus postuliert der Kommunis-
mus eine Verteilung der Güter zwar auch nach den individuellen
Bedürfnissen, jedoch durch den Staat. Dem schliesst sich
auch MENGER an; aber im Gegensatz zum Kommunismus legt