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daß sich Friedrich Wilhelm 1. durch die Drohungen der Kaiserin Anna, welche
einen Preis von 100,000 Rubel auf seinen Kopf gesetzt und gedroht hatte, daß
sie den hohen Flüchtling mit gewaffneter Hand abholen lassen würde, schrecken
ließ. Trotz aller seiner Bemühungen konnte Seckendorf den König zu keinem
unwürdigen Beschluß veranlassen, obwohl er ihm wiederholentlich darlegte, wie
wenig Unterstützung von Frankreich zu hoffen sei, wenn es wirklich zu einem
Bruche mit Rußland kommen sollte. Sehr ehrenhaft erklärte er sich gegen den
kaiserlichen Gesandten in folgender Weise: „Sobald die Stadt Danzig sich an
die Russen und Sachsen zu übergeben in der Noth befunden, hätte der König
von Frankreich und Stanislaus selbst an ihn geschrieben, und um Schutz und
Aufenthalt in seinem Lande gebeten. Er hätte beide Briefe bis auf diese Stunde
unbeantwortet gelassen, da indessen Stanislaus aus Danzig entkommen wärr
und sich ohne sein Wissen Anfangs nach Marienwerder, hernach nach Insterburg,
Marienburg und Johannisburg in seine preußischen Lande geflüchtet hätte. Ob
ihm nun wohl die Drohung der Zarin, den Stanislaum aus seinen Landen mit
Gewalt wegzunehmen, mit Fug und Recht Ursach gegeben hätte, sich des Stanislai
Person öffentlich anzunehmen und zu deklariren, daß er nach allgemeinem
Völkerrecht einen unglücklichen Herrn, den ehedem Ihre kaiserliche Majestät und
ganz Europa vor einen König erkannt, in seine Protektion zu nehmen berechtigt
wäre, um so mehr, da nach der für Schweden unglücklichen Schlacht bei
Pultawa derselbe Stanislaus nach Kolberg in Pommern sich geflüchtet, und
allda eine geraume Zeit aufgehalten, ohne daß der Zar solches übel genommen
oder dessen Wegnehmung gedroht, so habe er doch nur die Freundschaft von
Rußland möglichster Dinge beizubehalten, ein öffentliches Asylum an Stanislaus
zu versprechen nicht rathsam gefunden, hingegen im Geheim die Ordre gestellt,
sich des Stanislai Person, wenn sich dieselbe in seinen Landen befinde, zu versichern,
und an einen haltbaren Ort in Preußen, auch wider seinen Willen zu
bringen, welches auch wirklich erfolgt, und würde vermuthlich nunmehr Stanislaus
in Pillau angekommen sein, von da er selbigen zu Wasser bis Stettin
transportiren lassen und so lange in sicherer Verwahrung halten wollte, bis ihm
des Kaisers Willensmeinung, was zu Dero Vortheil durch des Stanislai Person
ausgerichtet werden könnte, zukäme.“
Obgleich diese Antwort eine hinlänglich verständliche Kritik der schon gemachten
Anforderungen des kaiserlichen Hofes enthielt, so verlangte man nicht
nur auch ferner noch die Auslieferung des unglücklichen Königs an Rußland
oder Oestreich, sondern fügte auch noch ein Reizmittel hinzu, welchem Friedrich
Wilhelm I. von allen Verführungen der Welt am allerschwersten Widerstand zu
leisten vermochte. Lange schon hatte er, und zwar unter Aufopferung mancher
politischen Vortheile, mit dem sächsischen Hofe unterhandelt, ihm das Rutowskische
Regiment, welches eine Auswahl der schönsten und langgewachsensten Leute
enthielt, abzulassen. Jetzt bot man ihm das erste Bataillon desselben an, sobald
er seine Hand von dem unglücklichen Flüchtling abziehen wollte. Man muß die