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Königs — ministri, milites — und werden ein Adel im ständi-
schen Sinne. Dann ließ die fortdauernde Kriegführung gegen
die eingeborenen Stämme die Würde des Bretwalda entstehen:
die einzelnen Könige und Vornehmen wählten eine Art Ober-
könig, Wahlkaiser oder den Römern nachgeahmten Diktator.
Mit dem Christentum, das zwar noch lange gegen den heidnischen
Glauben zu kämpfen hatte, baute sich dessen Hierarchie dem
Staate ein, sie erlangte Grundbesitz und Privilegien und wirkte,
weil sie sich als Einheitliches über die verschiedenen Königreiche
hin erstreckte, zentralisierend auch in der Politik. Ecgbert end-
lich, König von Wessex (800—836) konnte seine Herrschaft
über das ganze angelsächsische Volk in Britannien ausdehnen;
in ihm finden wir an Stelle des Bretwalda einen Oberlehensherrn,
dessen Vasallen die kleinern Könige geworden sind. Im Laufe
der nächsten zweihundert Jahre steigt der König Englands immer
höher. Er ist den Augen des Volkes entrückt, und daß er sich auch
von Gottes Gnaden nennt und seit der Krönung und Salbung Ed-
gars am Pfingsttage des Jahres 973 der Gesalbte des Herrn heißt,
— beides erhöht sein Ansehen. Von Edgar sagt ein Geschichts-
schreiber, er erinnere mit seinem Pomp schon an Ludwig XIV von
Frankreich. Als er in Chester sich huldigen ließ, setzte er sich in
ein Boot, dessen Steuer er ergriff, und acht ihm untergebene Kö-
nige, alle Edgars Lehensleute, ruderten den stolzen Herrn auf dem
Deerstrom zu dem Kloster St. Johannis; hier wurden dem Apostel
Gebete dargebracht und der nie gesehene Triumphzug bewegte
sich nach Chester zurück. In diesem ausgedehnten und zen-
tralisierten Reiche konnte eine Volksversammlung, die Gesetze
beschließt und über Krieg und Frieden entscheidet, nicht mehr
stattfinden; es wird vom Könige ein witenagemöt einberufen,
ein gemöt oder eine Versammlung der witan, der Wissenden,
Witzigsten, der sapientes oder optimates, worunter man die
größten Grundherrn, die Prälaten, Ealdormen und Thane zu
verstehen hat: dieser Reichstag wird als Versammlung des gan-