Full text: Archiv für öffentliches Recht. Band 41 (41)

Als dann, am Vorabend der längst fertig vorbereiteten Konferenz, 
am 17. Juni noch eine Scheinverhandlung im Unterhaus stattfand, legte 
Chamberlain, der für die englische Regierung sprach, noch allen Nach- 
druck darauf, daß er dem Haus „als verantwortlicher Minister“ nicht 
sagen könne, was er oder seine Kollegen auf der Konferenz vorbringen 
würden, und daß insbesondere die Beratungen über Fragen der aus- 
wärtigen Politik jeden Wert verlieren würden, wenn sie öffentlich vor 
sich gingen. Am sorgfältigsten sei von der englischen Regierung alles 
vorbereitet, was sich auf die Verteidigung des Reiches beziehe; hier 
zollte Chamberlain dem Vorsitzenden des Committee of Imperial de- 
fence, A. J. Balfour, als dem Vater der ersten wirksamen militärischen 
Gesamtorganisation des Reichs besonderes Lob. (Im Oberhaus hatte 
einige Wochen vorher Haldane die Einrichtung eines ständigen 
Reichsmarinegeneralstabs gefordert, ohne von der Regierung eine bin- 
dende Zusage zu erhalten.) In den Reden der Abgeordneten tauchte 
die für das Reich so über alles andere wichtige Frage der Rassen- 
gleichheit, der „Colour“ wohl auf (Abg. Davidson, Spoor, und dagegen 
sehr charakteristisch Sir J. Rees!?); der Minister überging sie aber. 
Im Leitartikel des Temps vom 19. Juni wird, im Anschluß an einen 
Observer-Artikel, ganz richtig hervorgehoben, daß England wohl von 
der Konferenz und überhaupt von den Dominions nichts weiter erwarte 
als die militärische Unterstützung, morgen wie gestern. Aber kann 
man diese eine Frage herausnehmen ? „Peut-on traiter des questions 
navales, militaires ou diplomatiques qui interessent l’empire sans parler 
des relations politiques qui existent entre la möre patrie et les Dominions ? 
Autrement dit, peut-on discuter la defense de l’empire sans discuter sa 
  
13 „We agree with our Colonial comrades of the Dominions that all 
this unity is worth concerted effort, even if that effort at the outset costs 
us something. The federation of free Commonwealths ıs worth making 
some sacrifice for. One never knows when its strength will be essential 
to the great cause of human freedom, and that is priceless“. Wir beachten 
bei der Erforschung der Kriegsursachen die Einflüsse von Südafrika her 
nicht genug. Im Round Table-Verband, bei den Vorkämpfern des Common- 
wealth-Plans, die ja von Südafrika ausgingen, ist in derselben Weise wie 
hier von Lloyd George der im Krieg dann nur ausgenützte, nicht erst er- 
fundene Gegensatz zwischen den freien oder demokratischen Staaten und 
den Autokratien, besonders Deutschland immer betont worden; der „gemein- 
same Feind“ wurde als Kitt des neuen Gemeinwesens gebraucht. Vgl. 
meine Anmerkungen im Neuen Merkur 5 S, 9, 10; auch die südafrikani- 
schen Novellen von Hans Grimm geben hier viel Aufklärung. 
Archiv des öffentlichen Rechts. XLI. ı. T
	        
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