Full text: Prinz Max von Baden. Erinnerungen und Dokumente.

geradezu zu der Gegenoffensive gegen die beiden deutschen Keile gezwungen 
und eingeladen worden, nachdem er zur Deckung zwischen diesen nicht tief ge- 
staffelten Keilen große Truppenmassen versammelt habe. 
8. Die Zerstörung der höchst gefährlichen Sturmwagen könne nicht mit ihrer Her- 
stellung Schritt halten; eine einzige amerikanische Fabrik stelle alle 20 Mimuten 
einen Wagen fertig. 
9. Es müsse gelingen, die Schlacht auf rückwärtigen Linien auf einige Wochen oder 
Monate zum Stillstand zu bringen. Erst dann sei eine politische Haupt- 
aktion rätlich, weil der Stillstand die Hoffnungen der Entente 
enttäusche. Bei einem Frieden von heute — wenn nicht Ludendorff neue 
DTruppen habe — sei ganz Elsaß--Lothringen verloren, in einem Frieden in 
drei Vierteljahren auch das linke Rheinufer. Die politische Leitung muß genau 
fragen, was die militärische noch vorhabe. 
Das war ein böses Bild unserer Lage. 
Die Heimatfront in Gefahr. 
Die Schlachtfront wird halten, aber nur, wenn daheim nichts passiert, 
und die Soldaten die Hoffnung bekommen, die Regierung führt den Weg 
zum Frieden. 
Nur unser Programm konnte den Riß im Volke schließen. Ich war 
mun einmal der Fahnenträger unserer Richtung geworden und mußte mich 
ject einseqtzen. Amwege wurden mir in diesem Augenblick empfohlen, sie 
waren mir zuwider. Auch war kein Tag zu verlieren. 
Kein Mensch, der bei Sinnen war, konnte glauben, daß ich aus Ehrgeiz 
handelte. 
Ich war mir deutlich bewußt, daß meine Kenntnisse und Erfahrungen 
für die nötige Detailarbeit nicht genügten; aber ich hatte Bundesgenossen, 
die mich stützen und ergänzen würden. 
Mein Name und mein Programm würden in Feindesland sprengen 
und in der Heimat sammeln. Ich hoffte, den versiegenden Strom der Frei- 
willigkeit neu zu beleben. Ich traute mir zu, Lansdowne in die Schranken 
zu rufen, das Wahlrecht durchzukämpfen, die Moajorität, die heute führen 
wollte, in eine lopale Gefolgschaft zu verwandeln, die Vaterlandspartei 
in eine nicht minder loyale Opposition. 
Die Feinde würden Mühe haben, mich als nichtverhandlungs fähig dar- 
zustellen im gegebenen Augenblick, wenn der Ausgang ihrer Offensive sie 
enttäuschen sollte. 
Ich erwog, ob nicht andere Vertreter unserer Richtung besser geeignet 
wären. Meine Stimme trug weiter, das lag nicht an meiner Person, son- 
dern an meiner gehobenen Stellung. 
Ich schriebtan den Kaiser und stellte mich ihm zur Verfügung. Ich schil- 
derte die tödliche Gefahr, so wie ich sie in diesen Tagen erkannte, und fügte 
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