rufen. Er war sofort einverstanden und erklärte diesen Gedankengang für
die einzig mögliche Begründung des U. Bootkrieges.
Simons arbeitete auf dieser Linie einen Notenentwurf aus. Staats-
sekretär Zimmermann brachte ihn im Hauptquartier zur Sprache. Dort
siel die Entscheidung gegen eine Befristung des U-Bootkriegs.
Am 31. Januar 1917 wurde Daul Rohrbach zu Herrn Meyer-Ger-
hard! gerufen, der sich lebhaft dafür eingesetzt hatte, daß diesmal nicht
aus kurzsichtigen taktischen Erwägungen heraus die Leiden der deutschen
Nichtkämpfer verschleiert würden. Herr Meyer-Gerhard eröffnete Rohr—
bach: Heider habe es sich als unmöglich herausgestellt, das wirksame philan-
thropische Argument zu verwenden. Das Reichsgesundheitsamts habe soeben
eine Erklärung veröffentlicht, wie günstig der Gesundheitszustand des
deutschen Volkes durch die Kriegsernährung beeinflußt würde.“
1 Herr Meyer--Gerhard hatte Dernburg bei seinem Propagandafeldzug in Ame-
rika zur Seite gestanden und wurde von ernstorff während der Lusitania-Krisis
nach Deutschland geschickt, um im Einverständnis mit Wilson den ersten aus führlichen
mündlichen Bericht über die amerikanische Situation und über den Inhalt der
Unterredungen Bernstorffs mit Wilson zu Überbringen (Bernstorff, a. a. O., S. 152).
2 Ich bin nicht ganz sicher, ob damals das Reichsgesundheitsamt oder eine andere
aoffizielle Behörde genannt worden ist.
: Eine ähnliche Erfahrung machte Bernstorff. Deutschamerikaner sammelten Geld
mittelst einer weitreichenden Dropaganda, um trotz der englischen Blockade Milch
für die deutschen Säuglinge herbeizuschaffen. Gerade damals aber veröffentlichte
das amerikanische Staatsdepartement einen vom deutschen Auswärtigen Amt ge-
billigten, wenn nicht inspirierten Bericht, wie günstig die Milchfrage, wie überhaupt
die Säuglingsfrage, in Deutschland liege. Damit war der Hilfstätigkeit der Boden
unter den Füßen weggezogen (Bernstorff, a. a. O., S. 256/57).
Prinz Max von Baden 5 65