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ging, wurde die am 4. September in der Gegend von
Rosenberg ausgeladene und in Eilmärschen vorgezogene
8. Kavalleriedivision zur überholenden Verfolgung gegen
des Feindes linken Flügel angesetzt. Die Division erreichte
am Spätnachmittage des 10. September die Gegend süd-
westlich Goldap, das von den russischen Bagagen und
Kolonnen auf die Nachricht vom Anmarsch der deutschen
Kavallerie fluchtartig
verlassen worden war.
Auf ihrem Abmarsche
hatten die Russen zum
Teil die Stränge der
Zugpferde abgeschnit-
ten und waren unter
Zurücklassung von etwa
30 Fahrzeugen auf der
Kunststraße bei Abra-
hamsruh in südöst-
licher Richtung auf= und
davongejagt. Die l. und
2. Eskadron des 3. Ula-
nenregiments „Kaiser
Wilhelm II., König von
Preußen Nr. 21“ in
Chemnitz sowie eine
reitende Batterie er-
bielten 0.15 Uhr abends
den Befehl, die Dioision
in einer Stellung bei
Abrahamsruh, etwa
acht Kilometer südöstlich
Goldap, gegen Süd-
osten zu sichern, wo das
Vorhandensein meh-
rerer feindlicher Eska=
drons gemeldet war,
und zu verhindern, daß
die Fahrzeuge unter dem Schutze der Dunkelheit wieder ab-
gefahren wurden. Hierzu nahmen die 1. und 2. Eskadron mit
der Batterie Sulzberger 7 Uhr abends am Westhang deo
Höhenzuges östlich vom Gehöft Abrahamoruh an der großen
Kunsistraße Aufstellung mit Sicherungen im Vorgelände.
Gegen 8 Uhr abends wurde (von Osten her kommend)
starkes Pferdegetrappel hörbar. Eine vorgesandte Patrouille,
Unteroffizier Claus, (2. Esk.) meldete, daß Kavallerie
im Anmarsch sei, Stärke sei jedoch wegen der Dunkelheit
nicht fesizustellen gewesen. 8.05 Uhr abends war deutlich
Lärm an den Fahrzeugen zu hören. Da etwa ein Kilo-
meter östlich Abrahamoruh der Wald begann, konnte man
nichts Genaueres erkennen. Der Batterieführer bat daher,
da er sich infolge Dunkelheit und zu geringer Entfernung
keine Wirkung versprach, durch eine gewaltsame Erkundung
Stärke und Tätigkeit der feindlichen Kavallerie festzustellen.
Da infolge der beinahe völligen Dunkelheit ein Fußgefecht
ausgeschlossen war, beschlossen Rittmeister Gonthe und
Schäffer persönlich zur Erkundung vorzugehen, und zwar
mit sich freiwillig meldenden Unteroffizieren und Ulanen
der 1. und 2. Eskadron. Mit der Masse der Kavallerie
vorzugehen, schien nicht ratsam, da sonst die Artillerie in
ihrer linken Flanke ohne jeglichen Schutz gewesen wäre.
Als diese beiden Abteilungen, etwa 28 Reiter stark, auf
ungefähr so Meter an die Bagagen herangekommen waren,
erhielten sie aus der halben linken Flanke und von der
Straße selbst starkes Feuer. Sofort wurde „Jur Attacke
Lanzen gefällt“ kommandiert und im Galopp auseinander
in Richtung, woher die Schüsse kamen, attackiert. Die
Attacke führte auf der Straße bio zwischen die Wagen,
in der Richtung halblinks bis in eine vordere Schützenlinie.
Es kam zum Nahkampf mit Lanze und Pistole. Da
Ein dem Leben abgelauschtes Bild: Ein sächsischer Soldat ist einer flüchtenden
Belgierin behilflich, den Kinderwagen zu schieben. Die Frau war vor Aufregung
schwach geworden
binter der Schützenlinie halblinks und auch rechts der Straße
weitere Schützen aus der Dunkelheit auftauchten, mußte
zurückgegangen werden. Nun eröffnete die Batterie ein
sehr wirksames Feuer gegen den durch das Mündungs-
feuer deutlich erkannten Feind.
Wenn auch bei dieser Attacke leider ein Vizewachtmeister,
ein Unteroffizier und vier Ulanen gefallen, sowie zwei
Ulanen schwer verwun-
det wurden, so war doch
der Erfolg ein ganz aus-
gesprochener. Die Ka-
vallerie, welche der Di-
vision im Rücken sehr
gefährlich werden konn-
te, war zurückgegangen.
Außerdem war verhin-
dert worden, daß die
etwa 30 Fahrzeuge,
welche mit Lebensmit-
teln usw. beladen wa-
ren, während der Nacht
vom Feinde wieder
zurückerobert werden
konnten. Ferner war
die Artillerie in der
Lage, trotz der Dunkel-
heit ihr Feuer auf die
feindlichen Schützen
richten zu können, und
ihnen, wie sich am näch-
sten Tage zeigte, emp-
pfindliche Verluste bei-
zubringen.
Die gefallenen Un-
teroffiziere und Ulanen
wurden in den Morgen-
stunden des 11. Sep-
tember mit militärischen Ehren am Ort ihres Heldentodes
bestattet.
Leutnant und Soldat
Mar Richter von der sechsten Kompagnie 107 springt
beim Sturm mit seinem Leutnant zugleich aus dem Graben,
allen voran. Sie gelangen bis auf zwanzig Meter an die
englische Stellung, da trifft die beiden das Blei, und sie
müssen lange, lange zwischen den Fronten liegen bleiben.
Her und hin wogt der Kampf. Der Leutnant ist völlig
Reste eines kriegsstarken Bataillons Inj.-Rgt. 1006 (1. Komp.)
kampfunfähig, kaum vermag er sich noch zu rühren, sein
getreuer Kamerad hat ein Schrapnellstück im linken Bein.