Deutschen Bundes näher kennt, muß tief beschämt gestehen:
Tausende, piele Tausende niederträchtiger Denunziantenseelen
und noch weit mehr untertänige Leisctreter hat dies edle Volk
erzeugt während zweier Menschenalter. Doch wer das Volksleben
als ein Ganzes überschaut, entdeckt notwendig Spuren
der Kraft und Gesundheit, welche ihm die gehässige Verbitterung
des Urteils verbieten. Wenn wir, wohin wir treten
in der Fremde, der Kälte oder einem noch tiefer verletzenden
Mitleid begegnen, so dürfen wir uns wohl jeder Anerkennung
unserer staatlichen Befähigung freuen, welche uns, aufrichtig
weil unwillkürlich, aus fremdem Munde gespendet wird.
Mill ist weit davon entfernt, unser Volk zu vergöttern; er
fühlt, wie man ihm nicht mit Unrecht nachgesagt, im stillen
seine nahe Verwandtschaft mit dem deutschen Genius, aber
er fürchtet die Schwächen unseres Wesens, er vermeidet geflissentlich,
zu tief in die deutsche Literatur einzudringen, und
hält sich an französische Muster. Und derselbe Mann gesteht:
in keinem andcren Lande außer Deutschland allein ist man
fähig, die höchsie und reinste persönliche Freiheit, die allseitige
Entwicklung des Menschengeisies zu verstehen und zu erstreben!
Unsere Wissenschaft ist die freieste der Erde, sie duldet einen
Zwang weder von außen noch von innen; ohne jede Vorqussetzung
sucht sie die Wahrheit, nichts als die Wahrheit.
Die Rechthaberei unserer Gelehrten ward sprich wörtlich, doch
sie verträgt sich sehr wohl mit der unbefangenen Anerkennung
der wissenschaftlichen Bedeutung des Gegners. Trotz des
Kastengeistes, der auch unter unseren Gelehrten spukt, darf
ein freier Kopf, der auf seinem eigenen Wege, nicht auf dem
breitgetretenen Pfade der Schule, zu bedeutenden Ergebnissen
gelangt, mit Sicherheit zuletzt auf warme Zustimmungzählen.
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