Metadata : Verhandlungen der Kammer der Reichsräthe des Königreichs Bayern in den Jahren 1870 und 1871.

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Familie  feierte  es  in  Potsdam  und  nahm  hierauf  das  Abendmahl  in  einer
Form,  wie  die  zum  Behufe  des  Unionswerkes  niedergesetzte  Commission,  bestehend
  aus  dem  Bischofe  Sack,  den  Pröpsten  Ribbeck  und  Hanstein,  dem
Feldpropst  Offelsmeier  und  dem  Hofprediger  Eylert,  in  schöner  Einigkeit  festgestellt
  hatte,  indem  sie  allerdings  die  symbolischen  Bücher  ihrer  Confesfionen
für  bindend  erklärte,  allein  nicht  weil,  sondern  insofern  sie  mit  der  heiligen
Schrift  übereinstimmten,  und  so  in  ächt  evangelischem  Sinne  die  Freiheit  und
den  kirchlichen  Glauben  festhielt.

Natürlich  konnte  es  nicht  fehlen,  daß  von  manchen  Seiten  her  sich  entschiedener
  Widerspruch  gegen  diese  Union  erhob.  Fern  davon,  solche  Regungen
überall  nur  der  Eigensucht  zuzuschreiben,  erkennen  wir  gern  an,  daß  ehrliche
und  aufrichtige  Ueberzeugung  zu  solchem  Eifer  treiben  kann,  obschon  er  stets
bedauernswerth  und  verwerflich  erscheint,  sobald  er  sich  zur  rücksichtslosen  Verdammung
  hinreißen  läßt.  In  dieser  Weise  verfuhr  der  Prediger  Claus
Harms  in  Kiel,  welcher,  als  ob  er  dadurch-  den  Manen  Luthers  ein  würdiges
Opfer  brächte,  wie  jener,  an  dem  Tage,  wo  in  den  preußischen  Kirchen  das
Reformationsfest  im  Sinne  der  Union  gefeiert  wurde,  verdammende  Thesen
gegen  die  Annäherung  an  das  Bekenntniß  der  Calvinisten  schleuderte.  Die  in
scharfer  Weise  und  in  einem  Tone,  welcher  allerdings  an  Luther's  Entschlossenheit
  erinnerte,  abgefaßte  Schrift  machte  Viele  bedenklich  und  hätte  vielleicht
schlimmere  Folgen  gehabt,  wenn  nicht  der  größte  theologische  Geist  seiner  Zeit,
Schleiermacher,  den  Ungrund  jener  Vorwürfe  mit  eben  so  vieler  Wissenschaftlichkeit,
  als  wahrhaft  christlicher  Gottesfurcht  in  ihr  Nichts  zurückgewiesen
hätte.  In  seiner  geistreichen  Gegenschrift  beweist  er  schlagend,  daß  der  Prediger
  Claus  Harms  bei  seinem  heftigen  Angriffe  sich  in  den  engen,  kleineren
Grenzen  seiner  einseitigen  Confession  bewege  und  nur  als  ein  dogmatischer
Lutheraner  streite.  Als  solcher  betrachte  er  die  Reformation  nicht  als  eine
universelle  Weltbegebenheit,  sondern  als  eine  particuläre  Sache  einer  einzelnen
Kirchenpartei,  neben  welcher  es  noch  viele  andere  gäbe.  Aus  der  großen
Evolution  der  fortschreitenden  Zeit  und  ihrem  erst  nach  Jahrhunderten  sichtbaren
  Zusammenhange  reiße  Harms  ein  Fragment  heraus  und  mache  dieses
zum  Centrum,  das  doch  in  der  Sache  selbst  liege.  Luther  und  Melanchthon,
Zwingli  und  Calvin  wären  mit  ihren  übrigen  Mitarbeitern  nicht  die  Schspfer
einer  neuen  Ordnung  der  Dinge,  sondern  nur  die  Werkzeuge  der  göttlichen
Vorsehung,  und  ihr  höchster  und  schönster  Kuhm  sei  und  bleibe  der,  daß  sie
gewürdigt  wurden,  es  zu  sein.  Auch  haben  sie  nichts  Neues  gemacht,
sondern  das  Alte  so  von  dem  bedeckenden  Schmutz  und  Unrath  der  Hierarchie
und  ihrer  Formen  gereinigt,  daß  es  in  seiner  ursprünglichen  Reinheit  wieder
hervortreten  und  sich  geltend  machen  konnte.  Das  Werk  der  Reformation  war
und  ist  also  nicht  die  Stiftung  einer  lutherischen  Kirche,  wogegen  Niemand
eisriger  protestirte,  als  Luther  selbst,  nicht  die  Stiftung  einer  reformirten,  sondern
  die  Wiederverherrlichung  und  Beseligung  der  evangelischen  Kirche,  die