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Familie feierte es in Potsdam und nahm hierauf das Abendmahl in einer
Form, wie die zum Behufe des Unionswerkes niedergesetzte Commission, bestehend
aus dem Bischofe Sack, den Pröpsten Ribbeck und Hanstein, dem
Feldpropst Offelsmeier und dem Hofprediger Eylert, in schöner Einigkeit festgestellt
hatte, indem sie allerdings die symbolischen Bücher ihrer Confesfionen
für bindend erklärte, allein nicht weil, sondern insofern sie mit der heiligen
Schrift übereinstimmten, und so in ächt evangelischem Sinne die Freiheit und
den kirchlichen Glauben festhielt.
Natürlich konnte es nicht fehlen, daß von manchen Seiten her sich entschiedener
Widerspruch gegen diese Union erhob. Fern davon, solche Regungen
überall nur der Eigensucht zuzuschreiben, erkennen wir gern an, daß ehrliche
und aufrichtige Ueberzeugung zu solchem Eifer treiben kann, obschon er stets
bedauernswerth und verwerflich erscheint, sobald er sich zur rücksichtslosen Verdammung
hinreißen läßt. In dieser Weise verfuhr der Prediger Claus
Harms in Kiel, welcher, als ob er dadurch- den Manen Luthers ein würdiges
Opfer brächte, wie jener, an dem Tage, wo in den preußischen Kirchen das
Reformationsfest im Sinne der Union gefeiert wurde, verdammende Thesen
gegen die Annäherung an das Bekenntniß der Calvinisten schleuderte. Die in
scharfer Weise und in einem Tone, welcher allerdings an Luther's Entschlossenheit
erinnerte, abgefaßte Schrift machte Viele bedenklich und hätte vielleicht
schlimmere Folgen gehabt, wenn nicht der größte theologische Geist seiner Zeit,
Schleiermacher, den Ungrund jener Vorwürfe mit eben so vieler Wissenschaftlichkeit,
als wahrhaft christlicher Gottesfurcht in ihr Nichts zurückgewiesen
hätte. In seiner geistreichen Gegenschrift beweist er schlagend, daß der Prediger
Claus Harms bei seinem heftigen Angriffe sich in den engen, kleineren
Grenzen seiner einseitigen Confession bewege und nur als ein dogmatischer
Lutheraner streite. Als solcher betrachte er die Reformation nicht als eine
universelle Weltbegebenheit, sondern als eine particuläre Sache einer einzelnen
Kirchenpartei, neben welcher es noch viele andere gäbe. Aus der großen
Evolution der fortschreitenden Zeit und ihrem erst nach Jahrhunderten sichtbaren
Zusammenhange reiße Harms ein Fragment heraus und mache dieses
zum Centrum, das doch in der Sache selbst liege. Luther und Melanchthon,
Zwingli und Calvin wären mit ihren übrigen Mitarbeitern nicht die Schspfer
einer neuen Ordnung der Dinge, sondern nur die Werkzeuge der göttlichen
Vorsehung, und ihr höchster und schönster Kuhm sei und bleibe der, daß sie
gewürdigt wurden, es zu sein. Auch haben sie nichts Neues gemacht,
sondern das Alte so von dem bedeckenden Schmutz und Unrath der Hierarchie
und ihrer Formen gereinigt, daß es in seiner ursprünglichen Reinheit wieder
hervortreten und sich geltend machen konnte. Das Werk der Reformation war
und ist also nicht die Stiftung einer lutherischen Kirche, wogegen Niemand
eisriger protestirte, als Luther selbst, nicht die Stiftung einer reformirten, sondern
die Wiederverherrlichung und Beseligung der evangelischen Kirche, die