werden wie Hausgötzen bewahrt; auch Bäumen, Steinen, Tieren werden
göttliche Kräfte zugeschrieben. Die ganze Natur ist dem Papua von
Göttern belebt. In den Dörfern sieht man zuweilen auf freien Plätzen
große Bildsäulen aus Holz mit riesigem Maule und großen Augen, und
vor ihnen knien die Eingeborenen scharenweise, zu diesen ihren Schutzgöttern
betend. Ihr Familienleben ist gut. Man hat Beispiele inniger
Eltern- und Geschwisterliebe. Die Witwe läßt sich nicht selten erdrosseln
und mit ihrem Gatten begraben. Den Europäern gegenüber zeigen sich
die Eingeborenen feindselig, und zum Arbeiten in den deutschen Pflanzungen
sind sie kaum zu bewegen. Man hat versucht, die Melanesen in Ostafrika
gelegentlich des dortigen Aufstandes zu verwenden, mußte sie
aber sehr bald wieder in ihre Heimat zurückbringen. Man konnte sie
nicht einmal als Hauswachen brauchen. Die Aufstände in Neu-Guinea
sind völlig lokaler Natur, eine nationale Sache kennen die Melanesen
nicht. Ihre Anschauungen sind die der Steinzeit. Aber sie hassen die
chinesischen Kulis, und deren Einführung hat daher aufgegeben werden
müssen. Der innere Frieden wird durch gelegentliche Strafexpeditionen
des Bezirkshauptmanns aufrechterhalten, die damit enden, daß sich die
gedemütigten Häuptlinge um Hut und Stab bewerben, die Insignien
des Kaiserlich deutschen Dorfschulzen. Mit dem Stab halten sie dann
selbst ihre Untertanen in Ordnung. Dieses britisch-indische Prinzip hat
sich bewährt. Auch ist die Eintreibung der sehr geringen Hüttensteuer
glatt verlaufen, selbst in Neu-Hannover, das erst unlängst unter bureaukratischen
Schutz genommen wurde, und hat 1906 ganze 5000 Mark eingebracht.
Dieser Fortschritt ist besonders dem Einfluß der evangelischen
und der katholischen Mission zuzuschreiben, die bereits seit fünfzig Jahren
hier in fünf Niederlassungen an der Küste unseres Schutzgebietes wirken.
Das Gesamtareal der Pflanzungen im Bismarck-Archipel und Kaiser-Wilhelmsland
beträgt 89000 ha, wovon aber zurzeit erst etwa 3800 ha
ertragsfähig sind. Es sind aber eine Million Kokospalmen angepflanzt,
dazu Gummibäume (Ficus, Castilloa und Hevea), auch Kaffee, der jedoch
gegen den Südamerikas im Preise nicht konkurrieren kann. Dagegen
verspricht der Hanf der Sisalagave guten Ertrag. Am Bainingebirge
sind zehn Farmer aus Nord-Queensland mit deren Anbau beschäftigt.
An der Astrolabe-Bai bestehen bereits mehrere Tabakpflanzungen, in denen
ein Tabak gedeiht, der auch bei uns schon seinen Markt findet.
Baumwolle wird hier wie auf der Gazellen-Halbinsel, wo die Neu-