Samſtag den 10. September 1884. 46. Sahrgang. AM. 89.
Dr. 3. A. Seuffert's
Blätter für Rechtsanwendung
zunächſt in Bayern.
Inhalt: Zu Art. 97 mit Art. 87 der Subhaſtailonsordnung. == Gebühren»
ewerthung von Pflegſ<aſtöverhandlungen im Geblete des Ansbacher
StatutarreHis. (Sc<luß.) '= Ueberſiht über die Ergebniſſe der
Rechtſprechung des bayerlſehen oberſten Landesgerichts vom April
1881. -- Literatur:Rotiz.
Zu Art. 97 mit Art. 87 der Subhaſtationsordnung.
Die Schnelligkeit, mit der nach dem gegenwärtigen
Stande der Geſeßgebung das Vollſtre>-ungüverfahren
vor ſich geht, contraſtirt ſeltſam mit
dem langſamen Gange, welchen die ausgedehnten
Friſten und ſonſtigen Hemmniſſe dieſem Verfahren
'in der bayer. Prozeßordnung von 4869 ſeligen Andenfens
bereiteten.
Während leßteres Geſeß den Schuldner in
ganz auffallender Weiſe begünſtigte und den Gläubiger
zu einer Langmuth zwang, die für den Verkehr
und den perſönlichen Credit keine8wegs günſtig
wirken konnte , iſt die gegenwärtige Geſeßgebung in
das Extrem verfallen, begünſtigt den Gläubiger dem
oft nur in zeitweiliger Noth befindlichen S<uldner
gegenüber durch die geradezu blißartige Schnelligkeit
der Exekution, mit der ſich Gläubiger um ſo mehr
beeilt, al8 prior tempore potior jure est, in einer
Weiſe, die auf den Verkehr nicht von guter
Wirkung ſein kann. -
Dieſe Bemerkung iſt nicht übertrieben; mag
auc<h für den Theoretiker dieſe Schnelligkeit des
Verfahrens beſonders lobenswerth erſc<heinen, der
Praktiker iſt e8 allein, dem auc<h die Kehrſeite der
Medaille zu Geſichte kommt.
Die wenigſten Fälle ſind doch diejenigen, in
welchen ſich der Gläubiger einem Schwindler gegen»
über ſieht; weitaus die meiſten Fälle ſind jene plöß-Neue
Folge ZRYVL. Band.