Metadata : Das Lehrlingswesen und die Berufserziehung des gewerblichen Nachwuchses.

A.  Der  Bedarf  der  Industrie  an  gelernten  Arbeitskräften.  173

der  Maschinen  am  längsten  Widerstand  entgegengesetzt  daben  nämlich
in  der  Metall-  und  in  der  Holzverarbeitung.  So  wird  schon  in  den
Berichten  der  Gewerbeaufsichtsbeamten  für  das  Jahr  1887  (S.  112)
darauf  hingewiesen,  daß  das  Lehrlingswesen  mit  fortirrtraber
Maschinentechnik  in  Metallwarenfabriken  abnehme.  Das  zeige  sich  z.  B

in  den  Metallwarenfabriken  und  Gürtlereien  in  Offendach,  die  als
Hilfsindustrien  der  Portefeuille-  und  Lederwarenfabriken  Metallteile,
wie  Rahmen,  Schlösser,  Beschläge  usw.  anfertigten.  Der  bedeutendere
Teil  dieser  Fabriken  arbeitete  mit  Motoren  zum  Betrieb  von
Maschinen  in  Gürtler-  und  Schlosserwerkstätten  und  von  Schleifbänken
  und  Schleifsteinen  in  den  Schleiferwerkstätten.  Die  Herstellung
  der  einzelnen  Teile  geschah  schablonenmäßig  oder  mittels
Maschinen,  und  es  wurden  verhältnismäßig  viel  jugendliche  Arbeiter
beschäftigt.  Während  die  Maschinenindustrie  im  allgemeinen  noch  in
weitem  Umfange  der  gelernten  Arbeitskräfte  Kebar  machte  in  den
Nähmaschinenfabriken  schon  im  Jahre  1887  (Berichte  der  Gewerbeaufsichtsbeamten
  S.  116)  die  fortschreitende  Technik  die  Ausbildung
gelernter  Arbeiter  weniger  erforderlich.  Die  weitgehende  Arbeitsteilung,
  sowie  die  ausgedehnte  Maschinenverwendung  lich  ein  Bedürfnis
  hierfür  mehr  und  mehr  zurücktreten.  Auch  die  Musikinstrumentenindustrie
  verlangte  vorher  noch  nahezu  ausschließlich
gelernte  Arbeitskräfte  und  entnahm  diese  entweder  aus  den
Schreinern  oder  den  Metallarbeitern.  Allein  auch  hier  gestattete  die
Entwicklung  des  Maschinenbetriebes  und  die  zunehmende  Arbeitsteilung
  in  steigendem  Maße  die  Verwendung  ungelernter  Kräfte.
In  einer  Reihe  von  Uhrenfabriken  und  in  den  Fabriken  für  Uhrenbestandteile,
  Uhrmecherwerkzeuge  und  chirurgische  Instrumente  zeigte
ich  überall  diese  be  Erscheinung  (Gewerbeaufsichtsbeamtenberichte
S.  116/117).  Auch  in  der  Möbelindustrie  drängt  schon  seit  einer
Reihe  von  Jahren  alles  auf  die  erweiterte  Verwendung  der  Maschinen
(Gewerb  ichte  Frankfurt  a.  O.  1906).  Der  Gebrauch
  des  Handwerkszeuges  wird  mehr  und  mehr  auf  Anpassungsund
  dergleichen  Arbeiten  beschränkt,  weil  die  einzelnen  Arbeitsstücke,
betreffend  Formgebung,  von  den  Maschinen  schon  fertig  bearbeitet
sind,  so  daß'  nur  noch  im  wesentlichen  das  Zusammenfügen  und  Zusammenpassen,
  Leimen  usw.,  sowie  die  durch  den  späteren  Farbenton
  bedingte  äußerliche  Bearbeitung,  wie  Schleifen,  Beizen,  Polieren
oder  Streichen  verbleibt,  Arbeiten,  die  zum  Teil  schon  von
Spezialisten  ausgeführt  werden  (Gewerb  ichte,
Bremen  1909).

Für  den  hiermit  gekennzeichneten  Umwandlungsprozeß  seien  noch
aus  neuester  Zeit  einige  Mitteilungen  gemacht.  In  ihrer  Arbeit  über
die  Arbeits-  und  Lohnverhältnisse  in  der  Berliner  Maschinenindustrie
zu  Beginn  des  20.  Jahrhunderts  (Schriften  des  Vereins  für  Sozialpolitik,
  Bd.  134,  S.  322  ff.)  führt  Lr.  Dora  Landéx  aus,  daß  in
neueren  Fabrikbetrieben  nur  noch  am  Anfang  und  Ende  der
maschinellen  Bearbeitung  die  Tätigkeit  des  gelernten  Schlossers  oder
Mechanikers  einsetzt,  nämlich  beim  Bezeichnen  der  von  der  Maschine
zu  leistenden  Arbeit  durch  den  sogenannten  Anreißer,  beim  Ein-