Achter Abschnitt.
Es gibt, sagt der König Friedrich, 1) zwei Arten von Fürsten
in der Welt: „Diejenigen, welche mit eigenen Augen sehen und
ihren Staat durch sich regieren, und diejenigen, welche auf die Ehrlichkeit
ihrer Minister vertrauen und sich durch diejenigen regieren
lassen, die über sie das Uebergewicht gewonnen haben. Solche
Fürsten stürzen sich durch Mangel an Geist oder eine natürliche
Indolenz in eine lethargische Gleichgültigkeit. Wenn der Staat,
der nahe daran ist durch die Schwäche des Souveräns zu verfallen,
durch die Weisheit und die Thätigkeit eines Ministers erhalten
werden muß: so ist der Fürst dann nur ein Phantom, freilich
ein nothwendiges Phantom, denn er repräsentirt den Staat.
Alles was noch von ihm gewünscht werden kann, ist, daß er eine
glückliche Wahl treffe. Jedoch es ist nicht so leicht, wie man glaubt
für einen Fürsten sich ein Urtheil über den Charakter derjenigen
zu bilden, die ihm dienen.“
„Anders die Souveräne der ersten Art. Sie sind die Seelen
ihrer Staaten. Der Schwerpunkt ihrer Regierung lastet auf ihnen
selbst, wie die Welt auf den Schultern des Atlas. Sie ordnen
1) Oeuv. VIII. 189.