114 Sachsen während des Befreiungskriegs von 1813.
von Italien hinter die Spree zurückgegangen; er wies den
der Heimat zuziehenden Reynier an sich so lange wie möglich
auf dem rechten Elbufer zu halten. Dieser hatte an Thielmann,
der in Torgau mit der Neubildung des säachsischen
Heeres beschäftigt war, das dringende Ersuchen gerichtet, ihm
einige Truppen in die Lausitz entgegenzuschicken, aber, da die
neuausgehobenen Mannschaften noch nicht zum Ausrücken
fähig waren, nur ein unbedeutendes Detachement vorgefunden,
und machte auf Eugens Weisung in Bautzen Halt. Wittgensteins
Vordringen über die Oder entschied den Rückzug des
Vicekönigs hinter die Elbe; schon am gten war sein Hauptquartier
in Leipzig. Reynier rückte nebst der ihm entgegengesendeten
Reiterei am 8ten in Dresden ein; zur Deckung des
Elbübergangs bei Meißen stellte er das schwache bairische Corps
des Grafen Rechberg auf, das Eugen an seine Befehle gewiesen
hatte.
Auf Befehl des Vicekönigs schritt Reynier schon am 10ten
zur Minierung eines Pfeilers der dresdner Elbbrücke, einer
Maßregel, die weniger auf wirkliche Ausführung als auf
Täuschung des Feindes berechnet war, um denselben abzuhalten,
in Dresden den Elbübergang zu suchen. Da sächsische
Offiziere auf sein Befragen die Leitung der Arbeit ablehnten,
so wurde ein Artillerieofficier der Division Durutte
damit beauftragt, dem ein sächsischer Ingenieuroffizier nebst
sächsischen Sapeurs beigegeben waren. Die Immediatcommission,
welche von dem Vorhaben erst Kunde erhielt, als die Arbeit
in vollem Gange war, bat umsonst, sie wenigstens zu verschieben,
bis sie durch Kavaleriepatrouillen gedeckt werden
könne. Was sie vorausgesehen hatte, geschah. Erbittert über
die Zerstörung eines Bauwerkes, welches das Kleinod und den
Stolz der Stadt bildete, umdrängte die aufgeregte Menschenmenge
die Arbeiter, entriß ihnen die Werkzeuge und würde den
französischen Offizier, der unbesonnen genug sich mit dem
Degen zur Gegenwehr setzen wollte, über das Geländer in
den Fluß gestürzt haben, wenn ihm nicht die entschlossene Dazwischenkunft,
mehrerer Bürger das Leben gerettet hätte.