Full text : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

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deputationshauptschluß  (1803)  die  Stifter
  Paderborn  und  Hildesheim,  den  größten
  Teil  des  Bistums  Münster,  Erfurt
und  das  Eichsfeld,  die  Reichsstädte  Nordhausen,
  Mühlhausen  und  Goslar,  wodurch
der  unfan  des  Staats  auf  315,200  qkm
mit  9¼  Mill.  Einw.  wuchs.  Nachdem
sich  P.  lange  durch  das  Angebot  Hannovers
  von  Napoleon  hatte  hinhalten  lassen,
versäumte  es  1805  die  Gelegenheit,  im
Verein  mit  Rußland  und  Osterreich  gegen
Napoleon  loszuschlagen,  und  mußte  15.
Dez.  1805in  den  schimpflichen  Vertrag  von
Schnbrunn  willigen,  in  dem  es  Ansbach,
Kleve  und  Neuenburg  verlor  und  endlich
das  dem  befreundeten  England  gehörige
mnover  erhielt.  Nichts  half  die  neue
emütigung,  der  sich  P.  im  Pariser  Vertrag
  vom  15.  Febr.  1806  unterzog;  Napoleon
  suchte  jetzt  den  Krieg,  und  während
er  den  Rheinbund  schuf,  wirkte  er  gegen
Preußens  Bemühungen,  einen  Norddeutschen
  Bund  zu  gründen.  Es  war  kaum
ein  Vorteil,  daß  in  jenen  schweren  Tagen
durch  die  Auflösung  des  Deutschen  Reichs
6.  Aug.  1806)  der  König  von  P.  die  volle
ouveränität  auch  in  seinen  deutschen
Ländern  erhielt.

Um  so  isolierter  stand  Friedrich  Wilhelm
  III.  jetzt  dem  mächtigen  Hrankrech
gegenüber  da.  Nur  Sachsen  leistete  Hilfe,
während  der  Rheinbund  seine  Truppen  seinem
  Protektor  Napoleon  zur  Verfügung

ellen  mußte.  Nachdem  dieser  das  preußiche
  Ultimatum,  welches  von  ihm  forderte,
daß  er  Süddeutschland  räume  und  Norddeutschland
  der  preußischen  Hegemonie
überlasse,  zurückgewiesen  hatte,  drang  er
in  das  östliche  Thüringen  ein,  schlug  die
geupische  Vorhut  unter  dem  Prinzen  Louis
rdinand  10.Okt.  bei  Saalfeld  (s.  d.)  und
vernichtete  14.  Okt.  in  der  Doppelschlacht
bei  Jena  und  Auerstädt  (s.  d.)  die  preußische
Kriegemackt.  Durch  diesen  einen  Schlag
sank  der  Staat  Friedrichs  d.  Gr.  in  Trümmer,
  die  einzelnen  Truppenkorps  kapitulierten,
  und  die  stärksten  Festungen  ergaben
sichden  ranzesenehne  Ehwerhireian  Der
König  floh  nach  Ostpreußen  und  vermochte
den  Krieg  nur  mit  russischer  Hilfe  fortzusetzen.
  Nach  der  unentschiedenen  Schlacht
bei  Eylau  (s.  d.,  7.  und  8.  Febr.  1807)  ließ

Preußen  (unter  Friedrich  Wilhelm  III.).

die  Niederlage  bei  Friedland  (s.  d.)  14.  Juni
1807  jeden  weitern  Widerstand  gegen
Frankreich—aussichtslos  erscheinen.  Derrusische
  Kaiser  Alexander  I.  gab  dem  Drängen
seiner  Generale  nach  und  schloß  7.  Juli
1807  um  so  bereitwilliger  mit  Napoleon

rieden,  als  ihm  eine  Vergrößerung  seines

eichs  in  Polen  gewährt  wurde.  P.  verlor
9.  Juli  1807  im  Frieden  von  Tilsit  (s.  d.)
alle  Länder  links  der  Elbe  sowie  die  Erwerbungen
  der  zweiten  und  dritten  polnischen

  Teilung,  wodurch  der  Umfang

des  Staatsgebiets  auf  162,000  qkm  mit
4,940,000  Einw.  sank.  Außerdem  sollte
es  unerschwingliche  Kontributionen  zahlen
und  mußte  sich  dem  Kontinentalsvstem,
durch  das  Napoleon  den  englischen  Handel
vernichten  wollte,  anschließen.

Der  König  brach  jetzt  mit  dem  bisherigen
Negirrungösbstem  und  suchte  unter  dem
Einfluß  seiner  edlen  Gemahlin  das  Staatswesen
  durch  umfassende  Reformen  in  der
Verwaltung  und  dem  Heerwesen  neu  zugestalten.
  Die  Kabinettsregierung  wurde  abgeschafftu.
  Freiherr  vom  Stein  (s.d.)  4.Okt.

807  an  die  Spitze  der  gesamnten  Zivilverwaltung
  gestell.  on  V.Okt.  erschien  das
„  Edikt  über  den  erleichterten  Besitz  und
den  freien  Gebrauch  des  Grundeigentums.,
wodurch  die  Schranken  des  ländlichen  Besitzerwerbs
  fielen  und  die  Erbunterthänigkeit
  im  Prinzip  aufgehoben  wurde.  ur34
die  Städteordnung  vom  19.  Nov.  1
wurde  den  Städten  Selbstverwaltung  gewährt,
  ferner  eine  Gemeindeordnung  verheißen
  und  eine  Volksvertretung  wenigstens
  in  Aussicht  genommen.  hugleis
wurde  das  Heer  organisiert,  neue  Kriegsartikel
  und  ein  neues  Reglement  über  die
Ergänzung  des  Offizierstands  erlassen.
Daneben  vollzog  sich  zunächst  in  den  Kreiben
  der  Gebildeten  ein  Umschwung  der

einungen  und  Sitten,  welcher  auch  auf
das  Volk  seine  Rückwirkung  nicht  verfehlte
und  jene  Vaterlandsliebe  großzog,  welche
später  in  den  Befreiungskriegen  die  wirksamste
  Bundesgenossin  der  verbündeten
Pere  wurde.  Zwar  mußte  der  König  auf

apoleons  Verlangen  24.Nov.  1808  Stein
entlassen,  und  unter  Filen  Nachfolger  v.
Altenstein  trat  ein  Stillstand  inden  Reformen
  ein;  allein  nach  dessen  Rücktritt  (6.