Full text: Gedanken und Erinnerungen. Erster Band. (1)

344 Siebzehntes Kapitel: Der Frankfurter Fürstentag. 
namentlich nicht in Wien den Eindruck machten, als ob Oestreich 
gegen seinen Willen von uns fortgerissen würde. Meine guten 
Beziehungen zu Rechberg und Karolyi ermöglichten es mir, das 
Einverständniß über den Einmarsch in Jütland herzustellen. 
Trotz dieser Erfolge fand der Versuch des Dualismus seinen 
Culminations= und Wendepunkt in einer Besprechung, welche beide 
Monarchen unter Zuziehung ihrer Minister, Rechbergs und meiner, 
am 22. August 1864 in Schönbrunn hatten. Im Laufe derselben 
sagte ich dem Kaiser von Oestreich: 
„Zu einer politischen Gemeinschaft geschichtlich berufen, machen 
wir dynastisch und politisch beiderseits bessere Geschäfte, wenn wir 
zusammenhalten und diejenige Führung Deutschlands übernehmen, 
welche uns nicht entgehn wird, sobald wir einig sind. Wenn 
Preußen und Oestreich sich die Aufgabe stellen, nicht blos ihre 
gemeinsamen Interessen, sondern auch beiderseits jedes die Interessen 
des andern zu fördern, so kann das Bündniß der beiden deutschen 
Großstaaten von einer weittragenden deutschen und europäischen 
Wirksamkeit werden. Der Staat Oestreich hat kein Interesse an 
der Gestaltung der dänischen Herzogthümer, dagegen ein erheb- 
liches an seinen Beziehungen zu Preußen. Sollte aus dieser zweifel- 
losen Thatsache nicht die Zweckmäßigkeit einer für Preußen wohl- 
wollenden Politik hervorgehn, die das bestehende Bündniß der 
beiden deutschen Großmächte consolidirt und in Preußen Dankbar- 
keit für Oestreich erweckt? Wenn die gemeinsame Erwerbung 
statt in Holstein, in Italien läge, wenn der Krieg, den wir geführt 
haben, statt Schleswig-Holstein die Lombardei zur Verfügung der 
beiden Mächte gestellt hätte, so würde es mir nicht eingefallen sein, 
bei meinem Könige dahin zu wirken, daß Wünschen unfres Ver- 
bündeten ein Widerstand entgegengesetzt oder die Forderung eines 
Aequivalents erhoben würde, wenn ein solches nicht zu gleicher 
Zeit disponibel wäre. Ihm aber für Schleswig-Holstein altpreußi- 
sches Land abzutreten, das würde kaum möglich sein, selbst wenn 
die Einwohner es wünschten; in Glatz protestirten aber sogar die
	        
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