Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

Berufung des leipziger Convents. 149 
und die Liga sondern auf seine Glaubensgenossen zu stützen 
willens sei. Der Kaiser und die katholischen Stände eilten 
ihn zu beschwichtigen; um den evangelischen Convent zu hinter- 
treiben, brachten sie durch den Landgrafen von Hessen -Darm- 
stadt einen zu Frankfurt zu haltenden Compositionstag zur 
Berathung wegen der bei Vollziehung des Edicts vorgekommenen 
Excesse in Vorschlag, genug, um den von Mißtrauen gegen die 
anderen evangelischen Stände, von Haß gegen die Calvinisten 
beherrschten Kurfürsten eine Zeitlang schwankend zu machen; 
doch beharrte er schließlich bei seinem Entschlusse, dem auch 
der Ausschuß seiner Landschaft vollkommen beipflichtete. Ihn 
zu entschiedenerem Auftreten zu bewegen, versuchte der Kurfürst 
von Brandenburg, in dessen Rathe damals vor Auderen Hans 
Georg v. Arnim auf Beoitzenburg, seitdem er 1629 aus 
dem kaiserlichen Dienste geschieden war, die Ansicht vertrat, daß 
die protestantischen Kurfürsten durch enges Zusammenhalten eine 
selbständige Stellung zwischen den streitenden Theilen behaupten 
und dadurch ihre Kirche ohne Einmischung des Auslandes 
retten müßten, unstreitig die richtigste, wenn sich eine Hand 
fand, stark und geschickt geung sie durchzuführen. Obgleich sich 
aber Johann Georg in seinem Gewissen gedrungen fühlte dem 
Kaiser gegenüberzutreten, so war er von einer unbefangenen 
Würdigung der Sachlage doch so weit entfernt, daß er dem 
Kurfürsten von Brandenburg auf einer von Arnim veran- 
stalteten Zusammenkunft zu Zabeltitz, Anfang September, er- 
klärte, er könne sich zu nichts weiter verstehen, als wozu ihn 
die Erbeinigung verpflichte, und jede Gemeinschaft mit dem 
Administrator Christian Wilhelm ablehnte. Erst als der re- 
gensburger Tag ohne irgend ein neuneuswerthes Zugeständniß 
an die Protestauten schloß, kam er zu Amaburg mit ihm 
überein, den Convent noch vor dem Compositionstage nach 
Leipzig zu berufen. Selbst zu Gunsten der schlesischen Prote- 
stanten, für die er bis dahin nur Mahnungen zum Gehorsam 
gehabt hatte, richtete er jetzt eine etwas ernsthaftere Ver- 
wendung an den Kaiser. Dagegen blieb er gegen den König 
von Schweden, der ihn wiederholt, auch durch das Versprechen
	        
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