Arnim in Schlesien. 161
schwedische Interesse und Gustav Adolf fühlte recht wohl, daß,
seitdem mit seinem Glücke auch seine Pläue gewachsen waren,
seine Ziele und die der sächsischen Politik mehr und mehr
auseinanderzugehen anfingen. Das Schlimme war nur, daß
der Kurfürst nicht bloß Wallensteins Anträge sondern ebenso
auch die Mahnungen seines Feldmarschalls zu einer kräftigeren
Führung des Krieges unbeachtet ließ, zunächst weil er, durch
Gustav Adolfs Eingrisse in die Reichsverfassung bedenklich ge-
worden, dadurch das Übergewicht der Schweden zu vermehren
fürchtete, sodann aber auch, weil er an den Freuden der Jagd
und der Tafel viel mehr Gefallen fand als an der Aufregung
und den Strapazen des Lagers, und eben diese schlaffe Po-
litik war es, die seinem Lande die bittersten Früchte tragen sollte.
So wenig verdiente Arnim den Argwohn der Schweden, daß
er sich vielmehr die größte Mühe gab den Kurfürsten zu über-
zeugen, der einzige Weg zum Frieden sei jetzt die kräftige Unter-
stützung des Königs, entweder durch Vereinigung mit demselben,
oder durch eine Diversion nach Schlesien; da auch des
Königs Abgesandter, der Pfalzgraf August von Sulzbach, der
bei den beabsichtigten Friedensunterhandlungen das schwedische
Interesse in Dreöden vertreten sollte, die erstere betrieb, so
stießen 5000 Sachsen zu dem Könige bei Nürnberg und nah-
men unter Oberst Boötius rühmlichen Antheil an dem Sturm
auf die alte Veste, während Arnim selbst mit den übrigen
9000 Mann nach einem vergeblichen Versuche, Zittau den
Kaiserlichen zu entreißen, in Schlesien eindrang und 17./27.
Juli Großglogan wegnahm. Umsonst jedoch suchte er den Kur-
fürsten zur Erlassung eines Manifestes zu bewegen, das den
Schlesiern Befreiung von dem Drucke der Jesuiten verkündigen
sollte. Johann Georg sah den Zug aus keinem höheren als
dem rein militärischen Gesichtspunkte an; ihm, der nach wie vor
von dem Respect gegen die kaiserliche Auctorität beherrscht war,
widerstrebte es, Unterthauen des Kaisers, die er selbst im Jahre
1621 zum Gehorsam zurückgebracht hatte, jetzt zur Empörung
aufzurufen, und so kam es, daß die Schlesier in ihrem Ver-
trauen zu den Sachsen allmählich erkalteten und sich dafür mehr
Böttiser, Geschichte Sachsens. 2. Aufl. I1. 11