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168 Kurfürst Johann Georg I.
erhaltene Autorisation zum Deckmantel verrätherischer Pläne.
Er lud deshalb den Bruder des Herzogs Franz Julius, Franz
Albrecht, im Jannar 1634 zu sich nach Pilsen; durch den
Obersten Schlick bot er zugleich dem Kurfürsten den erblichen
Besitz der Lausitzen, des Erzstifts Magdeburg und des Stifts
Halberstadt an, dringend wünschte er auch, daß Arnim zu ihm
komme. Doch fand man in Dresden rathsam, diesen vorher nach
Berlin zu senden um Brandenburg zu gemeinschaftlichem Ver-
fahren bei den Unterhandlungen einzuladen. Dort aber war
man auf Arnim sehr schlecht zu sprechen, weil man seinem
Verhalten die letzte Heimsuchung der Mark durch die Kaiser-
lichen und den schlimmen Ausgang des Feldzugs in Schlesien
Schuld gab und ihn in Verdacht hatte gegen Schweden zu
intriguiren; er fand daher für seinen Vorschlag eines Separat-
friedens mit dem Kaiser, zu dem den andern Reichsständen der
Beitritt offen zu halten sei, durchaus keine Geneigtheit. Nun
erst machte er sich nach Pilsen auf den Weg, um dort mit
Wallenstein den Frieden abzuschließen, dessen Annahme von
Seiten des Kaisers nöthigenfalls durch Sachsen und Wallenstein
vereint erzwungen werden sollte; aber bereits in Zwickau er-
reichte ihn die Nachricht von Wallensteins Ermordung 1).
Dieser plötzliche Zwischenfall, welcher zunächst alle Friedens-
aussichten wieder vernichtete, half im Verein mit den Vorstellungen
des Landgrafen Georg von Hessen-Darmstadt den Widerwillen
des Kurfürsten gegen Beschickung des frankfurter Convents
überwinden, welcher die Einigung aller evangelischen Reichsstände
durch Anschluß der beiden sächsischen Kreise und vor allen Kur-
sachsens und Brandenburgs an den heilbronner Bund bezweckte.
Aber noch immer beherrscht von dem eifersüchtigen Groll gegen
das schwedische Directorium, der durch Eigenmächtigkeiten der
Schweden in den Stiftern Magdeburg, Halberstadt und Merse-
burg neue Nahrung empfing, sowie von der alten Furcht, nur
1) 30= bis 40000 Ducaten, welche Wallenstein auf Graf Kinskys Gut
zu Pirna niedergelegt hatte, ließ der Kurfürst confisciren. Hasche,
Dipl. Gesch. v. Dresden III, 108.