Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

10 Die Ernestiuer und die Orthodoxie. 
Eisenach, und Flacius, 1557 an die neue Universität Jena 
berufen, wurden die Vorkämpfer einer bartnäckigen, streit= und 
verfolgungssüchtigen Orthodoxie, welche sich nicht besam, der 
Lehre des eislebener Superintendenten Georg Maijor, daß 
Jute Werke zur Seligkeit näthig seien, mit dem Satze zu 
antworten, daß sie zur Seligkeit schädlich seien, und die jede 
Gelegenheit ergriff, die kursächsischen Theologen falscher Lehre 
zu bezichtigen; ein dogmatischer Streit, der, wie er nicht zum 
geringsten Theile aus dem politischen Gegensatze der beiden 
Linien hervorgegangen war, so auch dazu beitrug, denselden zu 
erhalten und zu verschärfen. Doppelt bedrohlich wurde aber 
diese popnläre Stellung der Ernestiner für August, seitdem sie 
sich mit jener weitverzweigten gährenden Bewegung berührte, 
die in dem fräntischen Ritter Wilhelm von Grumbach ihren 
Mittelpunkt fand. 
Dieser, ein Leheusmann des Bisthums Würzburg, hatte 
seine Verschwägerung mit dem durch seinen Einfluß erhobenen 
Bischof Konrad IV. (von Bibra) auf ungebührliche Weise zu 
seinem Vortheile ausgeventet, nach dessen baldigen Tode aber, 
von dem Nachfolger desselben, Melchior von Zobel, zur Heraus: 
gabe des kaum Erworbenen genöthigt und selbst in seinem 
eigenen Besitzthum gekränft, sich dem Markgrafen Albrecht von 
Brandenburg Culmbach angeschlossen, bis dessen Niederlage ihn 
aufo neue den Beeinträchtigungen des Bischofs preiogab. Ein 
auf Wiedereinränmung der entzogenen Güter lantendes Urtheil 
des Reichskammergerichts blieb, Oank der Mangelhaftinkeit des 
Rechtsschutzes, welchen das Reich zu gewähren vermochte, ohne 
Folgen und auch vom Kaiser erlangte er nichts als eine frucht 
lose Ermahnung an den Bischof zu gütlichem Vergleich. Von 
dieser Zeit au gewöhnte sich Grumbach, in seinem Schicksfale das 
seines von der Uebermacht der Fürsten erdrückten Standes zu 
erblicken und sich für den berufenen Nächer desselben zu halten: 
es lebten in ihm, wenn auch in minderer Reinheit, die Ent- 
würfe Sickingens und Huttens noch einmal auf. Durch die 
Umnmöglichkeit, sein Necht zu finden, erbittert, wollte er sich 
der Person seines Krindes bemächtigen, um ihn zur Wieder
	        
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