Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

Der Nevistonsrath. 817 
17. März 1700 die Aufhebung der Generalrevision, wobei 
ihnen ihre Rechte und Freiheiten, unter anderm auch das 
Recht willkürliche Zusammenkünfte zu halten, den Stadträthen 
ihre Ordnungen und Verfassungen aufs neue bestätigt wurden. 
Dagegen wurde nun einc beständige Landesdeputation errichtet, 
die während der Abwesenheit des Kurfürsten gemäß bestimmter 
Instruction die Anliegen des Landes besorgen und die Erlasse 
des Geheimenraths zu begutachten befugt sein sollte. Der 
Hauptgrund, weshalb der Kurfürst den Revisionsrath so leicht 
wieder preisgab, lag wohl darin, daß derselbe seinen Zweck 
nicht in der erwarteten Weise erfüllt, namentlich daß derselbe 
kein Geld herbeizuschaffen verstanden hatte, während die Stände 
zum Dank für seine Abstellung dem Kurfürsten eine Million 
Gulden bewilligten, zu deren Aufbringung auf Papier, Lederwerk, 
Tabak und Pfeifen. Spielkarten, Perücken, ausländische Spitzen 
u. a. ein 1704 auf Stempelpapier, Spielkarten und Kalender 
beschränkter Impost gelegt wurde. Ohne Widerstreben entsagte 
Fürstenberg nach diesem ersten Fehlschlagen der Rolle des Re- 
formators, machte seinen Frieden mit der sächsischen Hofaristo- 
kratie, die er hatte bekämpfen sollen, lürte sich mit der Familie 
v. Friesen und zog sich ohne ferner einen hervorragenden Ein- 
fluß zu üben mehr und mehr in den Nimbus seiner Stellung 
zurück. Nachdem seine Hossuungen auf den Cardinalshut zer- 
ronnen waren, residirte er meist zu Wermsdorf, wo er 1716 
starb 1). Das Nevisionscollegium suchte der König durch ein- 
1) Das Mannscript: „Il### cenr####t#ere de In Cour de Pologne et 
I Klecteur de Sazc“, für dessen Versasser damals der Kammerherr v. 
Wolframsdorf gehalten wurde, der deshalb auf den Königstein kam, das 
aber von Anderen dem Gencral Lagnasco zugeschricben wird, und das, 
wie der Verfasser sagt, geschrieben ist „Pour l’'unage Än Roi, alin qu'il 
eut une jutzte idéo de sa cour et J#uil puinse d’autant plus lucilement 
wimprimer le carnet#re de chacun“, ein Pamphlet voll Medisance und 
ohnc lieseren staatsmännischen Geist, aber wichtig für die Kenntuiß der 
damaligen Verhältnisse am Hose, sagt über ihn: „11 nous reste encom 
un mot à dire du Statthalter, leqduel tont mechant et tout gaté 
du’il est, est pourtant nécessaire au roi, jusqu'a erc qu'’il en ayt un 
meilleur. Autrement il nien est propre du tout pour cet emploi, 
1704
	        
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