Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

1718 
60 Kurfürst Friedrich August I. 
Verbindung mit den Dänen Stralsund angegriffen; da aber 
Friedrich I. von Preußen dem sächsischen schweren Geschütz den 
Durchzug nicht gestattete, so mußte die Belagerung in eine 
bloße Sperrung verwandelt werden, und als hierauf Steenbock 
mit 10000 Schweden auf Rügen laudete, zogen sich die Ver- 
bündeten ins Meckeluburgische zurück und Flemming nahm einen 
Waffenstillstand auf funfzehn Tage an, um den in Berlin er- 
öffneten geheimen Friedensverhandlungen Naum zu schaffen. 
König Friedrich I. nämlich, der einem Kriege gegen Schweden 
durchaus abgeneigt war, vielmehr voll Besorgniß auf das 
Wachsthum der russischen Macht sah, hatte Karl IXII. 
den Vorschlag gemacht, August die Krone von Polen zu lassen 
und sich mit ihm und Preußen gegen den Czaren zu verbünden. 
Doch Karl mißachtete Augusts Charakter zu tief, um nicht auch 
nach dem Frieden am Pruth seine Hoffnungen lieber auf die 
Pforte und auf seine Truppen in Pommern zu setzen; auch 
Dänemark willigte nicht ein. Schon hatte übrigens der Krieg 
von neuem begonnen. Flemming kam zu spät, um die Nieder- 
lage der Dänen bei Gadebusch, 10. December 1712, aufzuhalten; 
August besorgte, Steenbock werde in Sachsen oder Polen ein- 
fallen, er wendete sich aber gegen die Dänen und wurde durch 
die libermacht seiner Gegner zur Kapitulation von Oldesworth 
16. Mai 1713 genöthigt. Am 30. September nahmen Menzi- 
koff und Flemming Stettin durch Kapitulation und übergaben 
es, geldbedürftig wie immer, durch den Vertrag von Schwedt, 
6. October, gegen 100000 Thaler dem neuen König von 
Preußen Friedrich Wilhelm l. in Sequestration, der zurückge- 
stoßen durch Karls XII. Halsstarrigkeit, sich den Verbündeten 
mehr zu nähern aufing. 
Vielleicht hätte dieser Vertrag die Ruhe im nördlichen 
Deutschland wiederhergestellt, wenn nicht Rarl XII., als er 
jetzt plötzlich in Stralsund erschien, den Vertrag verworfen und 
dadurch Preußen und Hannover bewogen hätte, sich mit Däne- 
mark und Kursachsen gegen ihn zu verbinden. 20000 Denen, 
obensoviel Preußen und 8000 Sachsen, die bisher in den 
Niederlanden gefochten, vereinigten sich zur Belagerung von
	        
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