1732
1733
870 Kurfürst Friedrich Augusts I. Tod.
ihm den Hals kosten könne, in Berlin als Lohn für Preußens
und Osterreichs Beistand zum Umsturz der polnischen Verfassung
jenem das polnische Preußen, einen Theil Großpolens und
Kurland, diesem das zipser Land an, November 1732. Um
August von Frankreich abzuziehen ging Friedrich Wilhelm schein-
bar darauf ein und schickte den Minister von Biberstein in
geheimer Mission nach Dresden; aber überzeugt, daß es August
mit seinen Anerbieten nicht Ernst sei, ließ er Tags darauf den
sogenannten Löwenwoldeschen Tractat mit Rußland und Oster=
reich unterzeichnen, welcher zu Augusts Einschüchterung den Prin-
zen Emanuel von Portugal als Candidaten für den polnischen
Thron aufstellte. Um aber hinter Augusts wahre Absichten
zu kommen, ließ ihn der König auf der Reise nach Polen an
der preußischen Grenze durch den General Grumbkow, seinen
Haupttrinker, begrüßen; da aber auch August diesem seine Ge-
heimnisse im Weinrausche zu entlocken versuchte, so machten sie sich
nur gegenseitig trunken 1). Dem ganzen Intrignenspiel gab
bald darauf Augusts Tod, 1. Februar 1733, eine andere Wen-
dung. Auch seine Riesennatur unterlag endlich dem Uebermaß
der Genüsse. Ein alter Schaden am Schenkel, den er sich
durch eine Verwundung im Ringelrennen 1697 zugezogen und
den Karlsbad nicht ganz gebeilt hatte, brach in Warschau wie-
der auf, der Brand schlug dazu und machte seinem Leben ein
Ende. Sein Leichnam wurde in Krakau, in Dresden nur
sein Herz beigesetzt.
In das Verhältniß des Kurfürsten Friedrich August zu
Kaiser und Reich brachte die Krone, die er trug, keine derartige
Veränderung, wie dies bei Brandenburg der Fall war. August
nahm seine Reichsbelehnungen nach wie vor, doch blieben diese
die letzten, da sie seitdem in Abnahme kamen. Mit dem Ver-
suche durch Erwerbung neuer Reichstagsstimmen für Thüringen,
die Markgrafschaft Meißen, die Burggrafschaft Meißen und
Magdeburg Zugang zum Fürstenrathe zu erlangen, drang er
jedoch gegen den Widerspruch mehrere Reichsstände nicht durch;
1) Seckendorf IV, 71. Vergl. Stenzel a. a. O. III, 647 fl.