Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

1738 
406 Kurslirst Friedrich August II. 
trat mit dem Regierungswechsel eine Anderung zum Bessern 
ein: die anstößige Maitressenwirthschaft hatte mit Augusts des 
Starken Tode ein Ende; denn selbst um die eheliche Treue 
gegen seine Gemahlin, die bigotte, unliebenswürdige und häßliche 
Maria Josepha, zu verletzten, war Friedrich August II. zu 
phlegmatisch 7). 
Die erste politische Angelegenheit, welcher der junge Kur- 
fürst seine Aufmerksamkeit zuwendete, war die Bewerbung um 
die polnische Krone. Sowohl Osterreich als Rußland, denen 
beiden darum zu thun war, daß nicht die Wahl auf Stanis-= 
laus Lescinski, seit 1725 Schwiegervater König Ludwigs XV. 
von Frankreich, falle, kamen seinen Wünschen bereitwillig ent- 
gegen und gaben den ohnehin noch nicht ratificirten löwenwolde- 
schen Vertrag preis. Von dem Grafen v. Liützelburg und 
dem Freiherrn v. Zech wurde am 16. Juli 1733 zu Wien 
ein Vertrag unterzeichnet, durch welchen der Kaiser gegen An- 
erkennung der pragmatischen Sauction, in einem geheimen Ar- 
tikel auch für den Fall, daß die polnische Krone nicht zu er- 
langen sei, und gegen die ernente Verzichtleistung Maria 
Josepha's auf alle Erbausprüche an Osterreich Friedrich Augusts 
Gelangung auf den polnischen Thron zu unterstützen versprach ?). 
Die nämliche Verpflichtung übernahm Rußland, bei welchem 
dem Kurfürsten seine persönliche Unbedeutendheit zur besonderen 
Empfehlung gereichte, gegen die Zusage, daß er als König von 
Polen auf Lievland keine Ansprüche machen und in Kurland 
nach Herzog Ferdinands Tode eine freie Wahl geschehen, auch 
dasselbe als selbständiges Herzogthum bestehen lassen wolle ?). 
1) Einc Schilderung beider in den Mlémoires do Hareith I, p. 83. 
— Vergl. Rulhibre, Histoire de l’anarchie de Pologne (1807) 
I, 177. — Sehr scharf Friedrich d. Große, Oeuvres 4° II (Hist. de 
mon temps 1), p. 29. 
2) Wenck, Codex juris gentium recentissimi 1, 700. 
3) Daß der Kurfürst hierbei die Ansprüche des Grasen Moritz von 
Sachsen auf Kurland ganz ignorirte und sogar Birons Anerbicten, zu 
dessen Gunsten auf seine Bewerbung zu verzichten, nicht annahm, war 
wahrscheinlich der Grund, wcshalb dieser nicht in sächsische Dienste trat,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.