Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

1734 
408 Kurfürst Friedrich August II. 
Wache des sächsischen Palais bildeten, von 2000 Polen ange- 
griffen, aber erst nach hartnäckiger Gegenwehr zur Kapitulation 
gezwungen. Als jedoch 20000 Russen unter Lasch „zum 
Schutz der Wahlfreiheit“ in Polen einrückten, flüchtete Stanis- 
laus nach Danzig und uunn wurde der Kurfürst von Sachsen 
auf dem Felde von Wohla — denn die Polen hatten die 
Weichselbrücken abgebrochen — von 15 Senatoren und 600 
Edelleuten 5. October zum König gewählt. Am 9. December 
brach der neue, durch fremde Waffengewalt den Polen ausge- 
drungene König, gefolgt von seiner Gemahlin, von Dresden 
auf und wurde, nachdem er zu Tarnowitz die pacta conventa 
beschworen und am 15. Januar 1734 das Leichenbegängniß 
seines Vaters stattgefunden hatte, am 17. Januar durch den 
Bischof Lipski von Krakau feierlich gekrönt 1). Da sich Stanis- 
laus durch Seckendorf und Manteuffel nicht zur Niederlegung 
der Krone bewegen ließ, wurde hierauf Danzig vom 5. Februar 
an durch die Russen unter Münnich, zu denen 12000 Sachsen 
unter dem Herzog Johann Adolf von Sachsen-Weißenfels 
stießen, belagert. Für seine Person kümmerte sich August gar 
nicht um den Krieg, doch suchte er nochmals den König von 
Preußen durch das Anerbieten von Elbing für sich zu gewinnen; 
da er ihm aber das Amt Gommern und die Grafschaft Mans- 
feld, welche derselbe noch außerdem verlangte, nicht zugestand, 
so erklärte Preußen seine Neutralität. Nach vergeblichem Harren 
auf die verheißene französische Hilfe floh Stanislaus nach 
Königsberg, worauf das hartbedrängte Danzig sich am 7. Juli 
ergab. Der Primas Potocki, der sich weigerte August den 
Eid der Treue zu schwören, wurde mit dem gleichfalls in 
Danzig gefangen genommenen französischen Gesandten Monti 
nach Thorn gebracht, und da Frankreich auf einem andern 
Schauplatze seinen Gewinn bereits eingestrichen hatte, indem es 
1) Die Wahlverhandlungen und die darüber entstandenen Unruhen 
s. in: Recueil des traitez, manifestes et autres pièces concernant Télce- 
tion au royanme de Pologno et la presente guerre, 2 Vols, u. I. e. a. 
Außerdem: Historische Staats = und Kriegsschaubühne des Königreichs 
Polen (1734), S. 34. Die pacta conventa ebendaselbst, S. 143 ff.
	        
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