1749
44 Kurfürst Friedrich August II.
härtesten Tadel gegen dieselbe aussprach. Ebenso wurde die
von den Ständen vorgeschlagene Abhilfe durch Verpfändung von
Domainen höchst ungnädig aufgenommen. Gestützt auf eine ihm
blindlings ergebene Minorität setzte es Brühl durch, daß außer
der Verlängerung der bisherigen Bewilligungen bis 1761 „au-
befohlener Maßen“ jährlich 6 neue Quatember und Pfennige,
Erhöhung der Tranksteuer und des Judenkopfgeldes, erweiterter
Gebrauch des Stempelpapiers, Ausdehnung der Vermögens-
stener auf bisher verschonte Klassen, eingeführt wurden. Zu-
gleich verminderten die Stände verschiedene Ausgabeposten., be-
antragten zwölf Tonnen Goldes unter landschaftlicher Kontrole
außer Landes aufnehmen zu lassen und den König von
Preußen um Aufschub der seinen Unterthanen zugesicherten
Zahlung ihrer Steuerscheine anzugehen. Eine bedeutende Re-
duction der Armee sollte dem Lande jährlich eine Million er-
sparen. Ferner verpfändete man 1750 die Einkünfte des
unter sächsischer Verwaltung stehenden Antheils von Mansfeld,
sowie die Amter Sangerhausen und Henneberg an den Kur-
fürsten von Hannover gegen Erhöhung der von demselben be-
reits 1744 und 1745 vorzestreckten 2 ½ Millionen um eine
weitere Million. Selbst die von einem Abenteurer, der sich
Baron v. Bishopfield nannte, zu Leipzig eröffnete lotterie-
artige Leib-= und Familienrentennegociation suchten die Stände,
als dieselbe durch das gerechtfertigte Mißtrauen des Publikums
alsbald wieder ins Stocken gerieth, dadurch, daß sie sie unter
ihre Kontrole nahmen, wieder lebensfähig zu machen; doch er-
reichte das Project durch den Ausoruch des siebenjährigen Kriegs
ein vorzeitiges Ende. Aber auch von diesen auf so verschiedenen
Wegen beschafften Geldmitteln fand nur ein geringer Theil die
Verwendung, für die sie bestimmt waren. Die neue Steuner-
instruction vom 19. December 1749, wie zweckmäßig an sich,
blieb ein todter Buchstabe, die Vergendung ging ihren bisherigen
Gang ungestört und ungeschent weiter. Nun griff man dazu
den Impost von verschiedenen Waaren zu erhöhen; da dies
aber bald einen merklichen Ausfall bei den Acciseinkünften zur
Folge hatte, so versuchte es Brühl auf Hennicke's Rath mit