Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

448 Kurfürst Friedrich August II. 
machte, seitdem auch Schlesien preußisch war. Der magde- 
burger Stapel, welcher die sächsische Elbschifffahrt hemmte und 
Leipzigs Privilegien beeinträchtigte, rief mehrfache Irrungen und 
gegenseitige Chicanen hervor, ohne daß man zu einem friedlichen 
Ausgleich gelangte. Aber auch im Innern lasteten die über- 
mäßigen Steuern und Abgaben sowie die alte Collision zwischen 
den Interessen der einzelnen Stände, z. B. der Nitterguts- 
besitzer, die für ihre Wolle den fremden Einkäufer zuzulassen 
wünschten, und der Städte, die durch fremde Koncurrenz sich 
den Rohstoff für ihre Fabrikate nicht vertheuern lassen wollten, 
schwer auf Handel und Industrie. Im Jahre 1735 trat die 
schon früher angeregte Commerciendeputation, der Ersparung 
wegen aus Mitgliedern anderer Collegien zusammengesetzt, mit 
dem Auftrage ins Leben, über Förderung des Handels und des 
Gewerbes bei allen Behörden Kunde einzuziehen und Vorschläge 
darauf zu gründen; allein, durch die Ungunst der Zeit gelähmt, 
blieb der Erfolg ihres Wirkens ein sehr beschränkter. Besser 
es geschah für Handel und Gewerbe von oben herab nichts, als 
daß Brühl auch dabei vor Andern sich selbst bedachte; wie 
er denn z. B. nach seiner Herrschaft Pförten zu Gunsten seiner 
dortigen Manufacturen eine wöchentlich zweimal fahrende Post 
einrichtete, während wichtige Fabrikorte deren noch entbehrten, 
oder sich für sein Gut in Hosterwitz auf den Tabaksbau 
ein Monopol ertheilte, dann, als 1754 die Seidenkultur in 
Sachsen in Vorschlag kam, welche nirgends besser gedeihen sollte 
als gerade hier, sein kleines Gut nehst Tabaksmonopol für 
150000 Thaler an den Kurfürsten verkaufte. 
Der Wunsch, die Leere der sächsischen Kassen aus fremdem 
Bentel zu füllen, bildete zugleich ein Hauptmotiv für Brühls 
Verhalten zu den auswärtigen Mächten. Kaum war der 
dresdner Friede geschlossen, als er mit dem niederländischen 
Gesandten v. Calkoen wegen Vermiethung von 12000 Sachsen 
an die Seemächte, welche im Verein mit Osterreich den Krieg 
gegen Frankreich noch fortsetzten, zu unterhandeln begann. Aber 
Frankreich überbot seine Gegner. Am 21. April 1746 unter- 
zeichnete der Minister d'Argenson mit dem sächsischen Gesandten,
	        
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