Das Reich und Frankreich gegen Friedrich. 481
französische Hof zeigte sich anfangs ziemlich kühl, obgleich die
Dauphine durch fußfälliges Flehen von ihrem Schwiegervater
das Versprechen der Rache an dem Feinde und Verderber
ihres Vaterlandes erhalten hatte und 300000 Livres als erste
Zahlung für den König von Polen an den französischen Ge-
sandten Graf Broglie nach Dresden abgingen. Als aber
Friedrich den Letzteren, um dessen unstatthaftem Verkehr mit
den Feinden Preußens ein Ende zu machen, mit samt seinem
Personale von Dresden wegwies, als die Dauphine, welche bald
darauf in Folge der Aufregung eine Fehlgeburt that, den König
Ludwig XV. aufs neue bestürmte, setzte die Kriegspartei den
Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Preußen und 1. Mai
1757 den Abschluß eines neuen geheimen Vertrags mit Oster-
reich durch, dem zufolge sich Frankreich statt die in dem ver-
sailler Vertrag vom 1. Mai 1756 stipulirte Hilse von 24000
Mann zu stellen als selbständige Macht am Kriege gegen
Friedrich betheiligte, welchem nur Brandenburg und Hinter-
pommern gelassen werden sollten. Dem Kurfürsten von Sachsen
wurde als Entschädigung das Herzogthum Magdeburg und der
Saalkreis zugetheilt sowie das Fürstenthum Halberstadt, wenn
er sich zur Abtretung der Gebietstheile in der Lausitz verstünde,
welche zur Arrondirung des nebst Schlesien und Glatz für
OÖsterreich bestimmten Fürstenthums Crossen nöthig seien. OÖster-
reich und Frankreich versprachen ferner jedes zur Hälfte Sub-
sidien für 10000 Mann zu zahlen und, wenn die künftige
Wahl eines Königs von Polen auf einen sächsischen Prinzen
Pallen sollte, derselben ihre Zustimmung zu geben ½).
Aber es lag nicht in Friedrichs Art, den Angriff seiner
Feinde, zu denen sich auch Rußland und sogar Schweden ge-
sellt hatten, ruhig abzuwarten. Er mußte nachholen, woran
er im vergangenen Herbst durch die unfreiwillige Selbstauf-
opferung der Sachsen gehindert worden war. Während er
durch Scheinanstalten zur Deckung Sachseus die Osterreicher in
1) Schäfer, Siebenjähriger Krieg 1, 221. — Der Vertrag bei
Koch-Schöll, Histoire abrégée des traités de pair III, 42 sa.
Böttiger, Geschichte Sachsens. 2. Aufl. II. 31