Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

406 Der siebenjährige Krieg. 
schuldigen suchten. Friedrich war darüber so erbittert, daß er 
nachher das schöne Jagdschloß Hubertusburg dem Freibataillon 
Onuintus Fcilins preisgab, und was dieses noch Werthvolles 
daran gelassen, das schleppten die Juden Ephraim und Itig 
fort, die das ausgeplünderte Schloß für 75000 Thaler ge- 
kauft hatten. 
Brühl hatte sich stets weislich gehütet, die Polen zur Be- 
freiung der Erbstaaten ihres Königs in Thätigkeit zu setzen, 
denn er fürchtete, wenn er ihnen die Waffen in die Hand gäbe, 
die stille Anarchie zu gefährden, die er als das schönste Werk 
seiner Politik, weil als den sichersten Weg zur Errichtung einer 
absoluten Gewalt und zur Sicherung der poluischen Surcession 
betrachtete 1). Dagegen ließ er schon während der Belagerung 
Dresdens alle Minen springen um die Russen dazu zu bewegen, 
daß sie durch rasches Vordringen über die Oder Friedrich 
zwingen sollten, von Sachsen abzulassen; über 300000 Thaler 
und sogar die Diamanten der Künigin wanderten nach Ruß- 
land 2), auch Soltikow sollte durch ein ansehnliches Präsent 
zu mehrer Activität bewogen werden. Brühl trieb zu einem 
combinirten Ssterreichisch= russischen Angriffe auf die Mark, die 
sächsischen Agenten mußten von Petersburg und Wien aus die 
russischen Generale aufenern und sogar König August seine ge- 
ringe Anctorität in die Wagschale werfen um in ziemlich demü- 
thiger Weise die Bitte zu unterstützen, daß das czernitschefsche 
Corps nach Sachsen dirigirt werde und dort Winterquartiere 
nehme, damit der König von Preußen sich des Landes nicht 
von neuem bemächtige. Da aber die Russen durch nichts von 
der Stelle zu bringen waren, so konnte Friedrich seinen Ent- 
schluß an die Wiedereroberung Sachsens das Neußerste zu setzen 
zur Ausführung bringen. Vor seinem Anmarsch wich das 
Reichsheer auf das linke Elbufer, überließ 31. October auch 
1) Rulhière I,. 127. 
2) „,car il faut graisser, si on vent aller vite“. v. Weber, 
Maria Antonia I, 114. Vergl. v. Eelking, Correspondenz des Grafen 
Brühl mit dem General v. Riedesel, sächsischen Residenten im russischen 
Hauptquartier seit 1759 (18514), S. 53 ff.
	        
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