Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

Der Fürstenbund. 589 
ähnliche Ländertausche, Säcularisationen und Zergliederungen 
geistlicher Stifter zu verhindern; in einem geheimsten Artikel 
endlich machten sie sich auhcischig, dafern in einem solchen Falle 
die angegebenen Mittel sich nicht ausreichend erwiesen, längstens 
zwei bis drei Monate nach ergangener Aufforderung von Seiten 
des Verletzten eine bewaffnete Dazwischenkunft eintreten zu 
lassen, zu welcher jedes der drei Kurhäuser 12000 Mann zu 
Fuß, 3000 zu Pferd und nach Besinden auch noch mehr siellen 
und einander beistehen sollten, bis völlige Erstattung und Ge- 
nugthunng erfolgt sei. In drei weiteren Separat= und ge- 
heimen Artikeln vereinigten sich die drei Kurfürsten, bei der 
nächsten römischen Königswahl, bei der Abfassung einer künftigen 
Wahlcapitulation und im Falle die Errichtung einer neuen 
Kurwürde beabsichtigt würde, nicht anders als in gemeinsamem 
Einverständniß zu handeln. Selbst jetzt, nach Abschluß des 
Bundes, setzte Sachsen alles daran, um nicht wider Willen 
durch denselben aus seiner Neutralität herausgedrängt zu wer- 
den; es machte daher noch am 12. August in Berlin den 
ausdrücklichen Vorbehalt, seiner Nußerung in Betreff der Asso- 
ciation unter Umständen und besonders gegen die kaiserlichen 
Gesandtschaften die Erklärung hinzufügen zu dürfen, daß der 
Kurfürst in allen die Sicherheit seiner Lande und die Erhaltung 
der Reichsverfassung nicht betreffenden Angelegenheiten bei dem 
angenommenen Neutralitätssysteme beharre; da jedoch Preußen 
demselben weiter keine Folge gab, so ließ man es auch säch- 
sischerseits hierbei bewenden 1). 
Obgleich dieser Bund in Wien begreiflicherweise große 
Unzufriedenheit erregte und man sich von dort aus Mühe gab 
ihn als Werk der Arglist von Seiten seines Urhebers, der 
Schwarzseherei und Gespensterfurcht von Seiten der übrigen 
Theilnehmer darzustellen, obgleich auch Rußland seine Unzu- 
friedenheit über denselben nicht verhehlte und Frankreich es 
lieber gesehen haben würde, wenn sich die schwächeren Reichs- 
stände zu einem sowohl von Osterreich als von Preußen un- 
1) Schmidt a. a. O., S. 298 ff. 335.
	        
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