Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

620 Kurfürst Friedrich August III. 
in Berlin halb rathlos zwischen dem Wunsche nach Erhaltung 
des Friedens und dem Eutschlusse zum Kriege hin und her, 
bis plötzlich der Sieg der französischen Waffen bei Ansterlitz 
die Schale der Friedensliebe schnell sinken machte. Auf die 
am 12. Derember erhaltene Anzeige, daß der König von Preu- 
ßen die Bewegung seines Hauptheeres gegen den obern Main 
einstweilen einstellen und dasselbe eine rein defensive, auf die 
Sicherung des gesamten nördlichen Deutschlands abzielende 
Stellung einnehmen lassen werde, antwortete der Kurfürst am 
15ten: „daß er in allen Fällen, wo es nicht auf die Sicher- 
heit seiner Staaten und auf die Erfüllung seiner reichsständischen 
Pflichten ankomme, den Grundsatz der Neutralität festhalte, 
daß er sich daher nach Kräften zur Theilnahme an der Be- 
schützung der Neutralität und Sicherheit theils der eigenen, 
theils anderer Staaten des nördlichen Deutschlands bereit 
erkläre. Sollten die Bemühungen des Königs zur Erhaltung 
des Friedeus keinen Erfolg haben und das Neutralitätssystem 
des Kurfürsten nicht länger behauptet werden können, sondern 
ernstlichere und ausgedehntere Maßregeln erfordert werden, so 
wünsche er, ohne Theilnahme an fremdem Interesse, mit dem 
Könige in nähere vertrauliche Mittheilung zu treten.“ Am 
15. Febrnar 1806 lehnte der Kurfürst den Beitritt zu dem 
mittlerweile bereits durch die Ereignisse überholten potsdamer 
Vertrage ab, da er in demselben viele Stipulationen finde, 
die seinen und Deutschlands Interessen fremd wären. Die 
Preußen verließen Sachsen und die sächsischen Truppen wurden 
wieder auf den Friedensfuß gesetzt 1). 
1) Pölio I, 256 ff. — „Preußisch= sächsischerseits schien man bloß 
gekommen zu sein, um das geehrteste Publikum bei diesen großen Welt- 
begebenheiten bilden zu wollen, und wir tanzten noch sehr unbefangen in 
Gera, als eine einzige Demonstration über Theresienstadt hinaus Oster= 
reich gerettet und die Fesseln, in die man schon damals Deutschland bei 
Austerlitz schlug, erspart und die Errichtung des Rheinbundes verschoben, 
wo nicht verhindert haben würde.“ Aus der von dem sächsischen General 
v. Gersdorf an den wiener Congreß gerichteten Schrift: Etwas über 
den König Friedrich August von Sachsen und sein Verhältniß zu den 
hohen Allürten.
	        
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