658. Kurfürst Friedrich August 1II.
So standen die Verhandlungen, als ein unglücklicher Zufall
den Franzosen eine Depesche des englischen Gesandten in Dresden,
Wynn, in die Hände spielte, welche den Bericht über eine
vertrauliche Unterredung mit dem Grafen Loß und die von
letzterem dabei geäußerte Abneigung gegen Frankreich enthielt.
Bestürzt eilte der Kurfürst dem aufgebrachten Kaiser seine Un-
schuld zu betheuern; er bat ihm die Demüthigung zu ersparen
seinen Minister entlassen zu müssen, gehe es aber nicht auders,
so solle des Kaisers Wille erfüllt werden, nur schmeichle er
sich, daß es mit elulger Schonung geschehen werde. Obgleich
aber Napoleon von diesen Erklärungen befriedigt schien und
dem Grafen Bose die Versicherung seiner Bereitwilligkeit den
Frieden zum Abschluß zu bringen wiederholte, so bestand er
doch unerbittlich auf der Entlassung des Grafen Loß; dieselbe
erfolgte zugleich mit der des Grafen Low, der aller Wahr-
scheinlichkeit nach nur durch eine Verwechselung seines Namens
mit dem des Schuldigen dem Zorn des Gewaltigen zum Opfer
fiel, am 18. November in ungnädiger Weise, ohne Pension;
das Kabinet bestand vorläufig nur aus dem Grafen Hopffgarten.
Trotzdem blieb Bose's Lage höchst peinlich; Talleyrand wich der
Wiederanknüpfung der Verhandlungen beharrlich aus, die in
Berlin anwesenden Deputirten von Leipzig beschworen ihn den
Friedensschluß zu beschleunigen und die Beschlagnahme der
englischen Waaren rückgängig zu machen; aus Dresden kamen
die bittersten Klagen über die willkürlichen Eingriffe, welche sich
die französischen Intendanten aller Remonstrationen ungeachtet
in die Verwaltung erlaubten. Am 11. November hatte sogar
der Intendant Villain ein Reglement erlassen, durch welches
allen Einnehmern aufgegeben wurde, aller zehn Tage sämtliche
landesherrliche Einkünfte, auch die von den Domaincn, an ihn als
receveur général zu Naumburg abzuliefern; vom 15. October
an gerechnet sollten keine Besoldungen ohne Genehmigung des
Intendanten abgeführt werden und jeder Stand und Kreis sich
verpflichten, die ihm auferlegte Kontribution in den bestimmten
Fristen zu erlegen. In dieser Verlegenheit beschwor Bose den
Kurfürsten, durch sein persönliches Erscheinen in Berlin das