Landbau. 681
standen, au Maßregeln zur Hebung des Landbaues nicht fehlen.
Wüstungen wurden urbar gemacht, Waldstücke, die keinen ge-
sicherten Forstertrag gewährten, in Feld verwandelt, die Ge-
treideausfuhr nach den Nachbarländern ohne Rücksicht auf
Reciprocität freigegeben, so lange der Preis des Weizens
4 Thaler, des Roggens 3, der Gerste 2, des Hafers 1 Thaler
nicht überstieg ). Der Feldbau gewann an Mannichfaltigkeit.
Große Verdienste um eine rationellere Landwirthschaft erwarb
sich J. Chr. Schubart 2), indem er sowohl bei der Bewirth--
schaftung seiner Güter als auch durch zahlreiche Schriften auf
die Vortheile der Stallfütterung, die Abschaffung der Brache
zu Gunsten der Futterkräuter, der Düngervermehrung, des An-
baus von Krapp, Runkelrüben, Tabak 2c. aufmerksam machte.
Hopfen= und Rübsamenbau breiteten sich aus, weniger der
Flachsbau. Die Obstkultur wurde durch Prämien begünstigt,
und im Jahre 1801 für 32000 neugepflanzte Bäume an
1000 Thaler Prämien vertheilt. Eine Weinbangesellschaft
bildete sich zu Meißen 1799 und eine Winzerschule zu Zaschen-
dorf. Die Viehzucht wendete sich mit besonderer Vorliebe der
Veredelung der Schafzucht zu, daher denn auch die Hut= und
Triftgerechtigkeit des Adels, so nachtheilig sie dem Ackerbau
war, nicht nur ganz unangetastet blieb, sondern mancher Ritter-
1) Cod. Aug. Cont. II, 1. p. 707. — Der Durchschnittspreis des
Roggens war im 18. Jahrhundert 2—2¼¾ Thlr. Ein leipziger Tag-
arbeiler, der 4 Gr. verdiente, mußte also 12—13 Tage arbeiten, um 1
Schesfel kansen zu können. Ein Maurer oder Zimmergesell bekam 1766
8 Gr. Nach der leipziger Marktlaxe von 1766 kostete die Kanne Butter
6—7 Gr., das Schock Eier 8 Gr., 1 Pfd. Rind= oder Schöpsenfleisch
2 Gr., Kalb= oder Schweincfleisch 1 Gr. Obgleich aber der Kornpreis
auf 8 Thlr. gestiegen war, wurde 1776 die unveränderte Taxe für die Tage-
löhner, Holzhacker #. eingeschärft; 1763 wurde gegen den Versuch durch
Arbeitsverweigerung eine Lohnerhöhung zu erzwingen und selbst gegen
Arbeitgeber, welche einen höheren als den taxmäßigen Lohn bewilligen
würden, mit Strafandrohungen eingeschritten. Biedermann a. a. O.
I, 388.
2) Ursprünglich Leinweber, geboren 1734 zu Zeiz, 1784 als Schubart
v. Kleeseld in den Reichsadel erhoben, st. 1787.