Full text : Blätter für Rechtsanwendung. Ergänzungsband zu Band 57. (57e)

Reichsgerichtliche  Entscheidungen.  343

daß  derjenige,  welcher  ein  Blankett  unterschreibt,  damit
das  Risiko  übernimmt,  daß  die  richtige  Ausfüllung  erfolgt,
  und  daß,  wenn  die  Ausfüllung  der  Vereinbarung
gemäß  geschieht,  der  Mangel  der  Schriftform  beseitigt
ist  (ogl.  Entscheidungen  des  Reichsgerichts  in  Civilsachen
  Bd.  XIV  S.  297  f.,  Bd.  XV  S.  55,  61,  Bd.  17
S.  117  und  die  dort  angegebenen  Citate).  Daß  die
anderenfalls  nothwendig  eintretende  Störung  oder  Erschwerung
  des  Geschäftsverkehrs  zu  dieser  Auffassung  des
Gesetzes  hindrängt,  beweist  auch  der  Umstand,  daß  der
Entwurf  eines  deutschen  bürgerlichen  Gesetzbuchs  in  Betreff
  der  Unterschrift  von  Blanketten  ebenfalls  die  vom
Reichsgericht  gebilligte  Ansicht  zur  Ausführung  bringen
will.  Die  Motive  (Bd.  I  S.  185  zu  §  92)  bemerken
ausdrücklich:  „Ob  die  Unterschrift  zeitlich  der  Sonderschrift
  des  Textes  nachfolgt  oder  vorausgeht  (Blankett),
ist  für  die  Frage  der  Formrichtigkeit  ohne  Belang.“
V.  Senat  324/90.  Urtheil  vom  1.  April  1891.

Natur  und  Berechnung  der  dem  Benefizial-=erben
  in  §  424  Thl.  I  Tit.  9  des  Preuß.  Landrechts
  gesteckten  Frist  zur  Einreichung  des  Inventars.
  Die  Beurtheilung,  ob  das  Inventar  rechtzeitig
  eingereicht  ist,  hängt  davon  ab,  wie  die  im  §  424
a.  a.  O.  gestellte  Frist  von  sechs  Monaten  bestimmt  wird,
ob  sie,  wie  die  Beklagten  wollen,  nach  Kalendermonaten,
also  von  Monatstag  zu  Monatstag,  oder,  wie  der  Kläger
verlangt,  gemäß  §  550  ebenda,  welcher  für  Verjährungsfristen,
  die  auf  Monate  gestellt  sind,  verordnet,  daß  für
jeden  Monat  30  Tage  in  Ansatz  kommen,  ohne  Rücksicht
auf  den  Kalender  nach  Perioden  von  30  Tagen  berechnet
  wird.

Vorweg  ist  entscheidend,  ob  die  Frist  eine  Verjährungsfrist
  oder  eine  Ausschließungsfrist  ist.  Trifft  ersteres
zu,  so  findet  unbedingt  die  Vorschrift  des  §  550  a.  a.  O.
Anwendung  und  die  Frist  ist  nach  Monaten  zu  30  Tagen