Offiziers-
portepee
234 DER LETZTE SCHWARZE ADLER
einen tüchtigen Schwadronshieb über den Kopf gab. Dieser Fähnrich war
der Fürst Karl Carolath, der nachmalige Gatte der schönen Gräfin Elisabeth
Hatzfeldt. Im Februar 1866 zum Leutnant ernannt, verdiente sich Moßner
in der Schlacht von Königgrätz den Roten Adlerorden mit Schwertern.
Von 1867 bis 1872 Regimentsadjutant, gewann er als solcher das volle Ver-
trauen, die volle Zufriedenheit, die Freundschaft und Liebe des Oberst
von Lo£&. 1872 wurde er zum Großen Generalstab kommandiert, 1887 etats-
mäßiger Stabsoffizier bei den Leib-Garde-Husaren, von 1891 bis 1895 deren
Kommandeur, 1895 erhielt er die 3. Garde-Kavallerie-Brigade, 1898 wurde
er Chef des Militärreitinstituts, 1899 Generalleutnant und Kommandeur
der Garde-Kavallerie-Division, 1903 Gouverneur von Straßburg. Nicht
lange vor dem traurigen Ende des Weltkrieges, in dem er sich als stell-
vertretender Kommandierender General zur Verfügung gestellt hatte, ver-
lieh ihm Wilhelm II. den hohen Orden vom Schwarzen Adler. Moßner war,
wie ich glaube, der letzte preußische General, der den Schwarzen Adler-
orden erhielt. Eine wohlverdiente Auszeichnung für einen Mann, der sich
in zwei Feldzügen bewährt, der ein trefflicher Regiments-Adjutant, Eska-
drons-Chef, Regiments-, Brigade-, Divisions-Kommandeur gewesen war
und außerdem einer der besten Reiter der Armee, der zweimal das große
Armee-Jagdrennen gewonnen hatte.
In Ergänzung der eiligen und einigermaßen flüchtigen Zeilen, die ich an
meine Eltern gerichtet hatte, möchte ich noch folgendes nachtragen.
Während die Schlacht von Saint-Quentin in vollem Gange war, meldete ich
mich bei unserem Kommandeur, dem Oberst von Lo&, zum Fähnrich er-
nannt. Er sah mich mit seinen großen, ernsten Augen lange an. Dann sagte
er zu mir: „Von heute an tragen Sie das Offiziersportepee. Daß Sie es an-
legen dürfen, ist die wohlverdiente Anerkennung Ihrer im Feuer bewiesenen
Bravour. Vergessen Sie nie, wann Sie sich bei mir als Portepeefähnrich ge-
meldet haben. Gestern, an demselben 18. Januar, an dem einst König Fried-
rich I. sich in Königsberg die preußische Königskrone aufsetzte, hat unser
erhabener Herr, König Wilhelm ]., in Versailles die ihm von allen deutschen
Fürsten angebotene deutsche Kaiserkrone angenommen. Dem Kaiser und
König zu Ehren donnern heute die deutschen Kanonen vor Paris, an der
Lisaine, im Jura und hier vor Saint-Quentin. So herrliche Tage, wie wir sie
jetzt erleben, können sich nicht oft wiederholen. Worauf es ankommt, ist,
den Geist dieser Tage in sich aufzunehmen, ihm als Leitstern zu folgen, ihm
innerlich treu zu bleiben. Das erwarte ich auch von Ihnen und wünsche
Ihnen Glück für Ihre Zukunft.“