182 Perser und Griechen. Europas Sieg über Aslen.
Daos mahedonische Königthum.
Als König von Makedonien war Philipp nichts weniger als ein
unbeschränkter Herr; das Königthum hatte sich aus der alt-dorischen
Zeit her erhalten und trug noch ganz das alte Gepräge. Der König
war Feldherr und Oberpriester, seine Würde nach dem Rechte der Erst-
geburt erblich; weil jedoch die nachgebornen Prinzen ganze Landschaften
zu freier Apanage erhielten, so gab es in dem makedonischen Hause
viele Streitigkeiten. Neben und um den König stand ein zahlreicher
und kriegerischer Adel, ohne dessen Beistimmung der König weder im
Frieden noch im Kriege etwas unternehmen durfte. Daß das Volk frei
war, geht schon daraus hervor, daß kein Makedonier anders als durch
ein Volksgericht zum Tod verurtheilt werden konnte, sowie aus dem
Widerstande, welchen die makedonischen Soldaten den weitergehenden
Planen Aleranders des Großen entgegensetzten. Die Makedonier waren
ein frohmüthiges, kräftiges Volk, durch die griechische Bildung noch
nicht verdorben, obwohl es viel von derselben aufgenommen hatte. Unter
Pbilipp standen sie zu den Griechen wie die Schweden Gustav Adolphs
zu den Deutschen; die Schweden hatten die Künste des Friedens und
des Krieges von den Deutschen gelernt; die Hansa hatte in den schwe-
dischen Thronstreitigkeiten interveniert wie Athen und Theben in Make-
donien; für sich allein hätten die Schweden sich so wenig nach Deutsch-
land wagen dürfen als die Makedonier nach Griechenland, aber der
Hader der einzelnen Staaten und die „Religion“ öffneten den Weg und
verstärkten die Macht der Eindringlinge durch die Streitkräfte des Lan-
des, welches erobert werden sollte.
Philipp dringt an das Mrer vor.
Philipps Augenmerk war zunächst auf die Küsten Makedoniens und
Thrakiens gerichtet; wie Peter der Große nicht ruhte, bis er am aso-
wischen und baltischen Meere festen Fuß gefaßt und seinem Lande die
Aus= und Einfuhr zur See eröffnet hatte, so bemächtigte sich Philipp
in längern und kürzern Zwischenräumen der Landstriche zwischen seinem
Gebiete und den Küsten, endlich der Hafenstädte am ägeischen und
schwarzen Meere und den beiden Sunden, dem Hellespont und Bos-
porus. Durch diese Eroberungen gab er nicht nur dem makedonischen
Gebiete die nothwendige Ausrundung und Festigkeit gegen zukünftige
Angriffe, sondern er vermehrte damit auch seine königliche Macht und
sein Einkommen; denn was er an Land und Leuten gewann, gehörte
nach makedonischem Rechte dem Könige. Das vermehrte Einkommen er-
laubte es ihm ein stehendes Heer zu halten und sich von dem makedo-
nischen Adel unabhängiger zu machen. Dieser liebte zwar seinen König,