Full text: Die Weltgeschichte. Zweiter Theil. Das Mittelalter. (2)

114 Das heilige römische Reich deutscher Nation. 
noch viel strengerer, der Todesstrafe auf die Beibehaltung von heiligen 
Bildern in Kirchen, auf öffentlichen Plätzen und selbst in Privathäusern 
setzte. Dagegen erhob sich Widerstand von Seite des Volks und der 
Geistlichen, die Päpste Gregor II. und III. verwiesen dem Kaiser seine 
Gewaltthätigkeit sehr strenge, indem sie ihm die katholische Lehre von 
der Verehrung der heiligen Bilder vorhielten; aber Leo antwortete, er 
sei Kaiser und Priester, und fuhr fort, seinen Willen mit Gewalt durch- 
zusetzen. Sein Sohn und Nachfolger, Konstantin III. Kopronpmus 
(741—775), verfuhr noch gewaltsamer und ließ durch eine Synode 
willfähriger griechischer Bischöfe die Verehrung heiliger Bilder verur- 
theilen (eine rechtmäßige, durch Papst Adrian II. nach Nikäa berufene 
Synode bestätigte aber 787 aufs neue die kirchliche überlieferte An- 
schauung), doch damit beschwichtigte er die Widersetzlichkeit gegen die 
Bilderstürmerei (Jkonoklasie, Ikonomachie) keineswegs. In Rom em- 
pörte sich das Volk und verweigerte dem Kaiser förmlich den Geborsam, 
so daß diese Stadt mit ihrem Gebiete thatsächlich einen unabhängigen 
Staat bildete; die Städte des Erxarchats lehnten sich gleichfalls auf und 
wurden (752) eine leichte Eroberung der Longobarden, und dem griechi- 
schen Kaiser blieben lediglich seine Besitzungen in Unteritalien, welche er 
nur mit Mühe gegen die sicilischen Araber vertheidigte. Unter Konstan- 
tin IV. Porphyrogennetus (der im Purpur geborene, wie die Griechen 
einen dem regierenden Kaiser geborenen Prinzen nannten), für den seine 
ränkevolle Mutter Irene herrschte, wurde 787 der Bilderstürmerei Ein- 
halt gethan, doch Irene wurde selbst 803 gestürzt, als sie gerade mit 
Karl dem Großen wegen eines Bündnisses der beiden Kaiserreiche unter- 
handelte. 
Ihr Nachfolger, Nikephorus (803—811), wurde 806 von dem 
Chalifen Harun al Radschid zu einem schimpflichen Frieden genöthigt 
und 811 von den Bulgaren in einer Schlacht bestegt und getödtet. 
Dieses türkische, mit Slaven stark gemischte Volk war um 680 vor den 
Awaren über die Donau geflüchtet und hatte sich zwischen diesem Stron 
und dem Hämus mit Bewilligung des griechischen Kaisers angestedett. 
Die Bulgaren geriethen jedoch bald mit ihm in Streitigkeiten, die lang“ 
wierige und erbitterte Kriege zur Folge hatten; mehr als einmal erschi- 
nen sie vor Konstantinopel und dehnten ihre Herrschaft vorübergehend 
bis Mittelgriechenland aus, während sie nach der Vernichtung der Aware## 
durch Karl den Großen jenseits der Donau bis Oberpannonien vor- 
drangen, welche Eroberung sie wieder durch die Ungarn verloren. 
Von des Nikephorus Nachfolger, Leo V., dem Armenier, wurden 
sie blutig zurückgeworfen; dieser Bilderstürmer wurde 813 in der Kirche 
ermordet, aber auch sein Nachfolger, Michael III., der Stammler (82 
bis 829), sowie Theophilus (829—842) waren Bilderstürmer, #
	        
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