9. Oktober Zehntes Kapitel 281
beim Könige.! Das Tischgespräch war infolgedessen für mich von
geringem Interesse.
Sonntag, den 9. Oktober. Schlechtes Wetter, Kälte und
Regen. Die Blätter fallen mit Macht. Ein scharfer Nordwest-
wind fegt über das Plateau. Ich gehe trotzdem ein Stück durch
die Stadt, die nach und nach exploriert werden soll. Durch die
Rue Saint Pierre nach der Präfektur an der Avenue de Paris,
wo König Wilhelm wohnt, dann eine andre Straße hinab bis an
das Denkmal, das man dem Taubstummenlehrer Abbeé l'Epée gesetzt
hat. Auf dem Rückwege begegne ich Keudell, den ich frage, ob er
noch nichts über den Beginn des Bombardements von Babel gehört
hat. Er meint, nächste Woche wahrscheinlich, es hieße, den 18.
sollten unfre Kartaunen brummen.2
Im Laufe des Vormittags drei mal beim Chef gewesen. — —
Seine Aufträge am Nachmittag expediert.
Beim Frühstück ist Delbrück wieder da, über dessen Erscheinen
der Minister sehr erfreut zu sein scheint.3 Wir trinken unter
andern vorzüglichen Dingen „uralten Korn,“ dem der Präsident
des Bundeskanzleramts eine verständnisvolle Lobrede hält, wie er
denn überhaupt in der Wissenschaft von dem, was wohl schmeckt,
augenscheinlich erfolgreiche Studien gemacht hat.
Es wird erzählt, daß eine Schwadron der Flensburger Husaren,
desselben Regiments, das bei Voncq abgesessen ist und eine von
Infanterie verteidigte Position erstürmt hat, von dem Unglück be-
1 Beim Kronprinzen mit dem Amerikaner John O'Sullivan, „der zu jener
Klasse von Leuten zählt, die à tout prix glauben, durch ihre Vermittlung den
Frieden herstellen zu können.“ Poschinger, Tischgespräche I, 54.
:2 Roon am 6. Oktober: „Unsre groben Geschütze werden wohl erst in
etwa vierzehn Tagen zur Stelle sein — wenigstens erst dann in solcher Zahl, daß
das Bombardement ernstlich beginnen kann.“ Denkwürdigkeiten III4, 234.
* Abeken S. 423 vom 8. Oktober morgens: „Delbrück wird heute hier
erwartet. Er ist hier indispensable wegen der deutschen Sachen, die anfangen
Gestalt zu gewinnen.“ Er hatte seit dem 21. September mit den süddeutschen
Höfen verhandelt, und am 3. Oktober hatte Baden seinen Eintritt in den Nord-
deutschen Bund beantragt, einer Aufforderung des preußischen Gesandten Grafen
Flemming entsprechend. Staatsminister Jolly 177.