12. Oktober Zehntes Kapitel 287
nicht angehen werde, da die größere Hälfte des Palais jetzt Lazarett
sei und der Typhus dort herrsche. Der Chef diniert heute beim
Kronprinzen und kommt erst um zehn Uhr heim, worauf er noch
eine Unterredung mit Burnside hat.
Mittwoch, den 12. Oktober. Dunstiger, verdrießlicher Tag.
Früh zwei Briese des englischen Husarengenerals William Douglas
für den König übersetzt und ausgezogen, in denen uns empfohlen
wird, mit Benutzung der Brücke von Sevres die Seine einzudämmen
und durch deren Aufstauung Paris zu überschwemmen. Dann einen
Auszug aus dem Bericht des deutschen Johanniters von Tettau
angefertigt, der sich im allgemeinen sehr anerkennend über die Be—
handlung unsrer Verwundeten in Bouillon durch die belgische Be—
völkerung äußert. Endlich wieder einen Aufsatz über die feindselige
Stellung geschrieben, die der Ultramontanismus uns gegenüber in
diesem Kriege einnimmt. Er ist gegen die Schlesischen Hausblätter
gerichtet und lautete im Konzepte folgendermaßen:
„Wir sollten meinen, daß man heutzutage nicht mehr in den
Fall kommen könnte, mißverstanden zu werden, wenn man die Aus-
drücke vultramontanc, „Ultramontanismus“ braucht. Wir sollten
glauben, daß ehrenwerte Gläubige der katholischen Kirche sich über
diese Ausdrücke ebenso klar sein müßten als anders glaubende
Christen, und daß eine Verletzung solcher Kreise durch Klage über
lultramontanese Treiben und Angriffe auf solches nicht möglich wäre.
In dieser Voraussetzung deckten wir neulich das gegen die neueste
deutsche Entwicklung gerichtete Arbeiten und Ankämpfen einer Partei
auf; aber zu unfrer großen Verwunderung erfuhren wir aus einem
schlesischer Blatte, daß unser Artikel, indem er diese als Ultramontane
bezeichnet, in der That verletzt hatte und als Tadel und Anklage
gegen den Katholizismus aufgefaßt worden war. Wir verwahren
uns dagegen. Nichts hat uns ferner gelegen. Der Ultramontanis-
mus hat in unsern Augen mit dem Glauben und der Kirche der
katholischen Welt ebensowenig gemein als der Atheismus und Nihi-
lismus mit dem Glauben und der Kirche der protestantischen. Er
ist rein politischer Natur, der Geist einer Sekte mit dem durchaus
weltlichen Zwecke, wo möglich den mittelalterlichen, theokratischen
Weltstaat zum Vorteile derer wiederherzustellen, die sich getrauen,
ihn leiten zu können — einem Zwecke, zwischen dem und sich sie