20 Sechzehntes Kapitel 8. Januar
darunter auch englische Bücher, aber nichts von dem, was Haber
vermutet hatte.
Auf die Rue de Provence zurückgekehrt, wurde ich alsbald zum
Chef gerufen, der fragte, ob der Artikel über die Eisenbahnwagen
gemacht sei. Ich erwiderte, er wäre schon seit drei Tagen auf dem
Wege nach Berlin. Er wollte dann den Inhalt wissen, ich teilte
ihn mit, und er sagte: „Ja, so ists gut.“ Ich schrieb darauf auf
die Weisung des Chefs sogleich noch zwei Aufsätze, darunter einen
über eine Äußerung der Kreuzzeitung, die sich „nachzüglerisch über
das Unterbleiben des Bombardements tröstet.“
Abends speist der Minister wieder mit uns. Man hört, daß
die Festung Rocroy in unfre Hände gefallen, 1 und daß der sächsische
Kriegsminister von Fabrice zum Generalgouverneur eines aus sechs
Departements bestehenden Gebietskomplexes ernannt worden ist.
Beim Thee wird erwähnt, daß die Beschießung von Paris
oder vielmehr seiner Forts auch von der Nordseite her begonnen
hat und guten Erfolg zeigt.? In Vaugirard und Grenelles hat
es Feuersbrünste gegeben — woher vielleicht der Rauch, den wir
gestern von dem Hügelrücken zwischen Ville d’'Avray und Sevres
aufsteigen sahen.
Keudell meint, ich solle das doch dem Chef mitteilen. Ich
gehe drei Viertel auf elf Uhr zu ihm hinauf. Er dankt, fragt aber
dann: „Welche Zeit ist es jetzt?“ Ich antwortete: „Bald elf Uhr,
Exzellenz.“ Er erwiderte: „Sagen Sie doch Keudell, er soll nun
das Schreiben an den König machen, von dem ich mit ihm ge-
sprochen hätte.“ Ich erfahre dann unten, daß es eine Beschwerde
darüber ist, daß die Militärs ihm, dem Minister, Dinge, die er
schon um zwei Uhr von Zivilisten erfahren hat, um elf Uhr noch
nicht mitgeteilt haben.
Sonntag, den 8. Januar. Früh einen Sieg bei Vendomes
und die Nachricht von dem guten Fortgang des Bombardements
telegraphiert, dann für den Moniteur einen Hinweis auf die ver-
logne Ruhmredigkeit gemacht, mit der Faidherbe sich abermals einen
1 Rocroy fiel am 5. Januar durch einen Handstreich.
Erst am 21. Januar.
3 6. Januar.