Sprachforscher: Borr, Jakop GrıNM, Wirnerm von HunsoLpr. sl
Das unvergleichliche Vermögen, das ihn auszeichnete, strenge empirische
Forschung speeulativ zu durchdringen, konnte nirgendwo
grössere Triumphe feiern als auf dem Felde der Sprache in ihrem
Verhältniss zur Eutwicklung des Geistes. Zugleich hat er damit
eine unendliche Aufgabe ihrer Lösung näher gebracht, die die Akademie
von ihrer Stiftung her immer wieder beschäftigt hatte und
recht eigentlich als die akademische Aufgabe bezeichnet werden
darf. Leignız, MAuvperTUIs, MichaAruis, SüssmiLcH, HERDER u. A. hatten
sich um sie bemüht; erst in HumgoLpr kam der berufene Mann!
In seinen akademischen Abhandlungen (Ȇber das vergleichende
Sprachstudium in Beziehung auf die verschiedenen Epochen der
Sprachentwicklung« 1820/21, »Über das Entstehen der grammatischen
Fornien und ihren Einfluss auf die Ideenentwiceklung« 1822/23,
Ȇber die Buchstabenschrift und ihren Zusammenhang mit dem
Sprachbau« 1824, »Über den Dualis« 1827, »Über die Verwanltschaft
der Ortsadverbien mit dem Pronomen in einigen Sprachen«
1829«) entwickelte er die Grundzüge seiner Ideen; dann concentrirte
er seine ganze Kraft auf das grosse Werk »Über die Kawisprache«
und die umfassende Einleitung zu demselben: Ȇber die Verschiedenheit
des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluss auf die
geistige Entwicklung des Menschengeschlechts«. In diesem Werk,
welches erst nach seinem Tode in drei Bänden (1836-1839) als
Supplement zu den »Akademischen Abhandlungen« des Jahrgangs
1832 erschienen ist'!, ist zum ersten Male eine methodische Übersicht
über die Hauptsprachen des Erdkreises gegeben; sie werden
in ihren charakteristischen Eigenthümlichkeiten erkannt, elassifieirt
und gleichsam nachgeschaffen. IlunsgoLprt ist durch dieses Werk
der Linne und Cuvier der Sprachen geworden; aber wie viel reicher
und tiefer, zarter und wärmer muss der Geist sein, der in die Welt
der Sprachen eindringt, um in ihnen die Naturformen des geistigen
Daseins zu entdecken, als der Naturforscher, welcher die Hervorbringungen
der belebten aber unfreien Natur studirt und classifieirt!
Die Worte, mit denen ALEXANDER von HunsoLor die Vorrede zu
dem Werke seines Bruders beschliesst, charakterisiren es treffend,
und die Erwartung, die er in ihnen ausspricht, hat sich erfüllt.
»Es ist nach dem Ausspruch Eines der Edelsten unseres Zeitalters
[Scnirter’s] ein gewöhnliches Vorurtheil, den Werth des Menschen nach
deım Stoffe zu schätzen, mit dem er sich beschäftigt, nicht nach der
Doch hat Wirnersm vox Hrmsornor den Druck des ersten, wichtigsten
Bandes noch selbst geleitet.