Volltext : Enzyklopädie der Rechtswissenschaft in systematischer Bearbeitung. Dritter Band. (3)

Börsenwesen.  209

Als  Börsenpreis  im  eigentlichen  Sinne  ist  nur  ein  Kurs  anzusehen,  zu  welchem  Geschäfte
wirklich  abgeschlossen  worden  sind,  was  durch  den  Zusatz  „bezahlt“  im  Kursblatt  ausgedrückt
wird.  Soweit  ein  Geschäftsabschluß  nicht  stattgefunden  hat,  werden  die  etwaigen  Kauf=  bzw.
Verkaufangebote  („Geld“  bzw.  „Brief“)  notiert.  Ausnahmsweise  findet  an  Stelle  von  bezahlten
Kursen  eine  gleichzeitige  Notierung  von  Brief=  und  Geldkursen  in  einer  usancemäßig  bestimmten
Spannung  für  bestimmte  Geschäftszweige,  z.  B.  Geldsorten  und  Banknoten,  statt  (so  in  Frankfurt
  a.  M.).  Der  bezahlte  Kurs  liegt  hier  in  der  Mitte.  An  der  Börse  Essen-Düsseldorf
werden  nur  Geld=  und  Briefkurse  notiert.  Sind  Geschäfte  nicht  zustande  gekommen,  und
liegen  auch  keine  Kauf=  bzw.  Verkaufangebote  vor,  so  wird  der  Kurs  „gestrichen".  Im
Handel  mit  Wertpapieren  werden  Bruchteile  von  Prozenten,  abgesehen  von  0,25  und  0,75,
nur  in  Zehnteln,  im  Zeitgeschäft  in  Achteln  notiert.

Durch  die  Bekanntmachung  des  Bundesrats  vom  21.  November  1912,  betreffend  die  Feststellung
  des  Börsenpreises  von  Wertpapieren,  sind  verschiedene  einheitliche  Grundsätze  in  bezug
auf  die  Kursnotierung  festgestellt  worden.  Danach  werden  die  Kurse  im  allgemeinen  nach
Prozenten  des  Nominalbetrages  festgestellt.  Die  Umrechnungssätze  für  Wertpapiere  in  ausländischer
  Währung  sind  einheitlich  für  alle  deutschen  Börsen  bestimmt.  Der  Käufer  hat
ferner  dem  Verkäufer  bei  festverzinslichen  Wertpapieren  die  Stückzinsen  zu  vergüten,  die
nach  dem  Zinsfuß  des  betreffenden  Papiers  berechnet  werden.  Der  Dividendenschein  von
inländischen  Aktien  wird  am  zweiten  Werktag  nach  dem  Tag  der  Generalversammlung,  in
welcher  die  Dividende  festgestellt  wurde,  vom  Stück  getrennt.  Bei  den  ausländischen  Aktien
wird  er  erst  dann  vom  Stück  getrennt,  wenn  er  zur  Auszahlung  gelangt.

Das  Gesetz  geht  davon  aus,  daß  die  Feststellung  des  Börsenpreises  unter  Mitwirkung
von  Kursmaklern  als  Hilfspersonen  erfolgt  (S§  30).  An  denjenigen  Börsen,  wo  Kursmakler
nicht  bestehen,  wird  diese  Tätigkeit  durch  besondere  Vertrauenspersonen  ausgeübt,  als  welche
von  den  betreffenden  Börsenbehörden  entweder  freie  Makler  oder  sonstige  Börsenbesucher
bestellt  werden.  Das  im  einzelnen  zur  Anwendung  kommende  Verfahren  ist  bei  den  einzelnen
Börsen  sehr  verschieden.  ,

Die  Feststellung  des  Börsenpreises  geschieht  nach  Vorschrift  des  Gesetzes  durch  den  Börsenvorstand,
  soweit  nicht  die  Börsenordnung  die  Mitwirkung  von  Vertretern  einzelner  Berufszweige
  vorschreibt  (§  29),  was  namentlich  für  landwirtschaftliche  Produkte  vielfach  geschehen
ist.  Auch  von  dieser  Vorschrift  sind  übrigens  Ausnahmen  bestimmt  worden,  z.  B.  für  Frankfurt
  a.  M.,  wo  die  Kursfeststellung  durch  die  Maklerkammer  erfolgt.

2.  Kursmakler  und  freie  Makler.

Das  Gesetz  geht  davon  aus,  daß  bei  der  Feststellung  des  Börsenpreises  Kursmakler
als  Hilfspersonen  mitwirken.  Bei  einer  Reihe  von  Börsen  (Hamburg,  Bremen,  Lübeck,  Leipzig
Abteilung  für  Produkte,  Mannheim,  Magdeburg,  Chemnitz,  Danzig,  Koblenz,  Stettin,  Straßburg,
  Zwickauer,  Dresdener  und  Stuttgarter  Produktenbörse)  ist  jedoch  von  der  Bestellung
von  Kursmaklern  Abstand  genommen  worden.  Die  Kursmakler  werden  von  der  Landesregierung
  bestellt  und  beeidigt.  Sie  sind  Handelsmakler  im  Sinne  der  §§  93—104  des  Handelsgesetzbuchs.
  Durch  das  Börsengesetz  sind  sie  insofern  privilegiert,  als  die  von  ihnen  abgeschlossenen
  Geschäfte  Anspruch  auf  Berücksichtigung  bei  der  Kurzsfeststellung  haben  (§  31);  ein
Recht  auf  ausschließliche  Vermittelung  haben  die  Kursmakler  jedoch  nicht.  Im  Interesse  ihrer
Unparteilichkeit  ist  ihnen  die  Verpflichtung  auferlegt,  in  denjenigen  Papieren  bzw.  Waren,  in
welchen  ihnen  von  den  Börsenbehörden  die  Vermittelung  übertragen  ist  —  jedes  Papier  wird
bei  der  Zulassung  zum  Börsenhandel  gewöhnlich  einer  Gruppe  von  2  Kursmaklern  zur  Vermittelung
  des  Geschäfts  und  zur  amtlichen  Notierung  zugewiesen  —,  nur  insofern  für  eigene
Rechnung  oder  in  eigenem  Namen  Geschäfte  abzuschließen,  als  dies  zur  Ausführung  der  ihnen
erteilten  Aufträge  nötig  ist.  Auch  dürfen  sie  sich  nicht  an  einem  sonstigen  Handelsgewerbe
beteiligen;  doch  hat  die  Landesregierung  von  dieser  Bestimmung  für  eine  Reihe  von  Börsen
Ausnahmen  zugelassen  (§  32).  Ibhre  gesetzliche  Vertretung  finden  die  Kursmakler  in  der  Maklerkammer
  (5  30  Abs.  2).

Encyklopädie  der  Rechtswissenschaft.  7.  der  Neubearb.  2.  Aufl.  Band  III.  11