Full text : Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913.

38  II.  Abschnitt.  Staatsangehörigkeit  in  einem  Bundesstaate.  S  6.

Dieses  Gesetz  ist  jedoch  in  betreff  der  Rechtsgültigkeit  der  Ehe
durch  die  Fassung  vom  30.  Juli  1899  (s.  Anh.  Anl.  16)  abgeändert  worden.
(Art.  81.)  Hiernach  ist  auch  die  Ehe  eines  rechtsrheinischen  Bayern,  die  ohne
Beibringung  eines  distriktspolizeilichen  Verehelichungszeugnisses  abgeschlossen
wurde,  mit  rückwirkender  Kraft  bürgerlich  gültig,  so  daß  die  Ehefrau  eines
rechtsrheinischen  Bayern  dessen  Staatsangehörigkeit  erwirbt.  Vgl.  im  übrigen
Anm.  8  zu  §  4d.  G.

3.  Fran.

Die  auf  Grund  dieses  Gesetzes  durch  Verheiratung  erworbene  Staatsangehörigkeit
  verbleibt  der  Ehefrau  auch  nach  dem  Tode  des  Ehemannes.

In  vielen  Staaten  erlangt  jedoch  die  Witwe,  welche  durch  Verehelichung
mit  einem  Ausländer  die  ausländische  Staatsangehörigkeit  erworben  hatte,
ihre  ursprüngliche  Staatsangehörigkeit  wieder,  wenn  sie  in  ihrem  Geburtslande
  wohnt,  oder  mit  Genehmigung  des  Staatsoberhauptes  nach
ihrem  Geburtslande  zurückkehrt  und  erklärt,  daselbst  wohnen  zu  bleiben.  Diese
gesetzliche  Bestimmung  ist  in  verschiedenen  europäischen  und  außereuropäischen
Staaten  in  Geltung,  nämlich:

in  Belgien  (Art.  13  Abs.  2  d.  G.  vom  2.  Juni  1909);.)

in  Rumänien  und  Luxemburg  (Art.  19  d.  BGB.);)

in  Monako  (Art.  20  BGB.);)

in  Frankreich  (Art.  19  d.  BGB.,  modifiziert  durch  Art.  1  d.  Nationalitätsgesetzes
  vom  26.  Juni  1889);.)

in  den  Niederlanden  (Art.  8  d.  Niederl.  G.  vom  12.  Dez.  1892);7)

in  Spanien  (Art.  22  d.  BGB.  vom  24.  Juli  1889);

in  Ungarn  (Art.  41  d.  Naturalisationsgesetzes  vom  20.  Dez.  1879);

in  Griechenland  (Art.  25  u.  27  d.  BGB.);7)

in  Kostarika  (Art.  5  Ziff.  5  d.  Fremdengesetzes  vom  21.  Dez.  1886);“)

in  Guatemala  (Art.  17  d.  Fremdengesetzes  vom  5.  Mai  1894);7)

in  Honduras  (Art.  1  Ziff.  3  d.  Fremdengesetzes  vom  10.  April  1895);,

in  Nikaragua  (Art.  2  d.  Fremdengesetzes  vom  3.  Okt.  1894);*)

in  San  Salvador  (Art.  2  Ziff.  3  d.  Fremdengesetzes  vom  29.  Sept.
1886);*)

in  Haiti  (Art.  11  d.  G.  vom  12.  Okt.  1907);*)

in  Mexiko  (Art.  2  IV  d.  Naturalisationsgesetzes  vom  28.  Mai  1886);*)
und  in  den  meisten  südamerikanischen  Staaten,  so  in

Brasilien  (Art.  2  d.  G.  vom  10.  Sept.  1860),

Bolivia  (Art.  11  d.  BGB.),7)

Peru  (Art.  41  d.  BG.).

In  Ekuadors)  behält  sogar  die  Ekuadoranerin,  die  einen  Ausländer  geheiratet
  hat,  ihre  ekuadoranische  Staatsangehörigkeit  bei,  solange  sie  in  Ekuador
bleibt  (s.  Art.  21  d.  Fremdengesetzes  vom  25.  Aug.  1892).

Die  Witwe  eines  Deutschen,  welche  nach  dem  Reichsgesetze  Deutsche
bleibt,  nach  den  vorerwähnten  ausländischen  Gesetzesbestimmungen  aber  in  ihre

*)  S.  Anh.  Teil  II  Ausl.  Gesetzgeb.  unter  den  betreffenden  Staaten.
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